1.9.2013 PM Doping-Opfer-Hilfe

Vor der Sportausschuß-Sondersitzung in Berlin:
Dopingopfer kritisieren DOSB-Präsident Bach scharf

„Permanentes Ausweichen auf Fragen nach eigener Verantwortung“ / DOH: Ergebnisse der Studie zum West-Doping nicht herunterspielen / DOH fordert kompetente Aufarbeitung: „Parität und Differenzierung der Dopinghypotheken in Ost und West beachten“ / Appell an IOC-Ethikrat / Vesper oder Thiel ?-Kritik an Intransparenz der Bach-Nachfolge-Debatte

Vor dem Hintergrund der Sondersitzung des Bundestags-Sportausschusses an diesem Montag in Berlin kritisiert der Dopingopfer-Hilfe-Verein (DOH) scharf die Versuche des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), die Ergebnisse der Studie zum West-Doping auf unseriöse Art herunterzuspielen und die eigene Verantwortung darin auszuschlagen. Im Hinblick auf die Doping-Strukturen im westdeutschen Sport müssen auch die Namen der damals handelnden Personen öffentlich gemacht werden, fordert die DOH-Vorsitzende Ines Geipel: „Fest steht, dass es die deutsche Einheit im Denken der Doping-Akteure schon seit den frühen 70er Jahren gegeben hat. Es ist längst Zeit für einen Bruch damit. Zugleich gibt es klare Unterschiede zwischen Ost und West. Es ist völlig unnötig, sie zu verwischen.“ Parität in der Aufarbeitung, aber auch Differenzierung seien nötig,“das sind wir den Opfern beider Systeme schuldig.“

Die Dopingaufarbeitung in Deutschland dürfe mit der aktuellen Studie auf keinen Fall beendet sein, insbesondere die Transformationsprozesse nach Ende der DDR der 1990 harrten dringend der Aufklärung. Der DOH fordert DOSB und Bundesinnenministerium auf, den unausgeführten Forschungsauftrag für die Zeit von 1990 bis heute erneut, und zwar umgehend, auszuschreiben. Geipel sagt: „Nach wie vor gibt es erschreckende personelle Kontinuitäten an Doping-Trainern, Medizinern und Wissenschaftlern, die sich trotz ihrer festgestellten Doping-Täterschaft im vereinten deutschen Sport bestens dotiert und sicher einrichten konnten, während die Geschädigten von damals aus der Sport-Familie ausgeschlossen bleiben.“

Laut DOH müsse eine Konsequenz aus den Erkenntnissen sein, „dass endlich eine wache Allianz geschmiedet wird, um Doping gesamtgesellschaftlich zu tabuisieren. Es darf keine Wiederholung der deutschen Dopingpolitik und keine weiteren Chemieopfer im Sport geben.“ Das verlange mehr Anstrengung und auch deutlich mehr Mittel in der Dopingprävention. Außerdem, so der DOH, brauche es seriöse Nachsorgestrukturen für Spitzenathleten.

Der DOH mahnt an, dass die Führung des DOSB den Prozess der Transparenz und Nachhaltigkeit eher behindert als forciert. Es sei nicht hinnehmbar, dass DOSB-Präsident Thomas Bach öffentlichen Fragen nach seiner Verantwortung fortgesetzt ausweicht und sich der Diskussion entzieht. Teil dieser Politik des vernebelten Wirkens in Hinterzimmern sei auch die Tatsache, dass innerhalb des deutschen Sports längst eine intensive Diskussion um die Amtsnachfolge von DOSB-Präsident Bach im Gange ist. Der DOH fordert eine öffentliche Diskussion dazu: „Die Zukunft des deutschen Sports kann keine Angelegenheit unhinterfragbarer Interessen sein.“ Favoriten für die Bach-Nachfolge sind der derzeitige DOSB-Generaldirektor Vesper sowie die DOSBVizepräsidentin für Leistungssport, Christa Thiel.

Darüberhinaus bittet der DOH ausdrücklich den Ethikrat des IOC, die öffentlich im Raum stehenden Fragen zu Bachs aktueller IOC-Präsidentschaftskandidatur zu prüfen: „Wer den Weltsport führen will, muss für Glaubwürdigkeit sorgen“, so der DOH in seiner Erklärung. Der Dopingopfer-Hilfe-Verein DOH vertritt rund 600 Doping-Geschädigte vorwiegend aus dem ehemaligen DDR-Sport und vergibt mit dem Heidi-Krieger-Preis die einzige Auszeichnung im deutschen Sport für den Kampf gegen Doping-Missbrauch.

Mit guten Grüssen
Doping-Opfer-Hilfe e.V.
c/o Robert -Havemann-Gesellschaft
schliemannstr. 23
10437 berlin

telefon 0049.30.447 10 826

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