15.5.2013 PM Doping-Opfer-Hilfe

Bundestag debattiert Rente für Dopingopfer:

DOH fordert Konsequenzen für „schweren Mißbrauch im Sport der DDR“
Antrag der Grünen: Hilfe für Schwerstgeschädigte / DOH: „Medizinversuche an DDR-Athleten aufklären!“

Berlin. Der Dopingopfer-Hilfeverein (DOH) hat an den Deutschen Bundestag appelliert, dringend die verzweifelte Lebenssituation der Schwerstgeschädigten unter den DDR-Dopingopfern zu verbessern.

An diesem Donnerstag (16. Mai) debattiert das Parlament in Berlin den Antrag von Bündnis 90/ Die Grünen auf eine Rentenzahlung in Höhe von 200 Euro monatlich für Doping-Geschädigte, die bereits als Minderjährige ins Doping-Zwangssystem der DDR eingebunden waren. Dazu sagte die DOH-Vorsitzende Ines Geipel: „Der DOH begrüßt ausdrücklich die Initiative für einen ersten Vollantrag auf nachhaltige Unterstützung der DDR-Dopingopfer. Eine Geschädigtenrente wäre nicht nur politische Anerkennung der Schäden und des schweren Missbrauchs im Sport der DDR, sondern auch eine stabile Hilfe für die oft katastrophalen Lebensumstände ehemaliger DDR-Athleten.“

Im Antrag der Grünen, Bundestags-Drucksache 17/12393, heißt es „Viele der Sportlerinnen und Sportler, die damals, oft ohne ihr Wissen, leistungssteigernde Mittel einnahmen, leiden heute unter körperlichen und psychischen Langzeitfolgen.“ Die anderen im Bundestag vertretenen Parteien, darunter die SPD-Opposition, haben angekündigt, sich der Initiative von Bündnis 90/ Die Grünen nicht anzuschließen. Ines Geipel: „Wir fordern die anderen Parteien dringend dazu auf, ihre Blockadepolitik aufzugeben und dort endlich eine kleine Hilfe zu ermöglichen, wo sie dringend nötig ist.“ Die schwere Hypothek des DDR-Sports sei „ein Kollateralschaden aufgrund von politischer Gier, der einzelne Athlet jedoch bleibt heute mit seinem kaputten Körper allein.“

Angesichts der jüngsten Enthüllungen über geheime Arzneimittel-Tests westdeutscher Pharma-Unternehmen an DDR-Kliniken fordert der Dopingopfer-Hilfe-Verein (DOH) Innen-Staatssekretär Christoph Bergner auf, „auch die langjährigen Medizinversuche an oft minderjährigen DDR-Athleten in gebotener Seriosität zeitnah, umfassend und im Sinne der Opfer aufzuklären.“ Dabei gehe es um „eine Vielzahl von in jener Zeit nichtausgeforschten Substanzen“ wie EPO, Wachstumshormon, molekulares Doping und Psychopharmaka, zahlreiche Belege dafür fänden sich ab 1976 beispielsweise in den Stasiakten des Chefinitiators des DDR-Staatsdopings, Manfred Höppner. „Die Opfer dieser kriminellen Zwangs-Chemisierung müssen von der Politik sowohl echte Informationen sowie umgehende Hilfe erwarten können“, verlangte die DOH-Vorsitzende Geipel, die als frühere DDR-Rekordsprinterin selbst staatlich anerkanntes Dopingopfer ist.

Berlin, 15. Mai 2013

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