22.5.2013 PM Doping-Opfer-Hilfe

DOH zum Tod von Helga Arendt:
„Die Todesliste steroidgedopter Athletinnen wächst“

Betroffene des Dopingsystems unter Trainer Spilker / Dopingopfer fordern Aufklärung

Berlin. Der Dopingopfer-Hilfe-Verein (DOH) hat sich tief betroffen vom frühen Tod der ehemaligen 400m -Läuferin und Hallen-Weltmeisterin Helga Arendt gezeigt. In einer Presseerklärung sprechen die DOH-Mitglieder Familie, Angehörigen und Freunden der im Alter von nur 49 Jahren verstorbenen Athletin ihre aufrichtige Anteilnahme aus. „Es ist ein Tod, der die Doping-Geschädigten in Ost und West ungemein berührt und stark beschäftigt“, sagte die DOH-Vorsitzende und Ex-DDR-Sprinterin Ines Geipel in Berlin.

Helga Arendt war vergangene Woche, wie erst jetzt bekannt wurde, nach langer Krankheit an einem Tumor in der Brust verstorben und im Kreise ihrer Familie in ihrer Heimatstadt Pulheim beerdigt worden. Die Teilnehmerin an den Olympischen Spielen 1988 in Seoul und 1992 in Barcelona startete für EC Eintracht Hamm, dessen Läuferinnen im sogenannten „Hammer Modell“ von Bundestrainer Heinz-Jochen Spilker in organisiertes Doping eingebunden waren. Spilker war 1994 wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz gerichtlich zu einer Geldstrafe von 12.000 D-Mark verurteilt worden und hat nach dem Ende der DDR im Landessportbund Thüringen Karriere gemacht. „Helga Arendt war mit 22 Jahren erstmals das Dopingmittel Stromba verabreicht worden“, beklagt Ines Geipel, ihr Tod sei exemplarisch, aber kein Einzelfall: “Die Todesliste der Generation von steroidgedopten Athleten ist mittlerweile lang, erst kürzlich verstarben eine 48jährige Athletin aus Schwerin und eine 52jährige Eisschnellläuferin des SC Dynamo Berlin an einem Hirntumor.“

Der DOH fordert den organisierten Sport dazu auf, die belasteten Chemie-Netzwerke in Ost wie West aktiv aufzuklären, um nicht neue Generationen Missbrauchter zu produzieren. Der Tod von Helga Arendt müsse endlich ein Anlass sein, medizinische Nachsorgestrukturen aufzubauen, die die Folgerisiken des Hochleistungssports minimieren. Derzeit arbeitet der DOH am Aufbau einer integrativen Doping-Beratungsstelle in Berlin sowie an einem wirkungsvollen Konzept für Doping-Prävention.

Berlin, 22. Mai 2015

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