23.4.2013 PM Doping-Opfer-Hilfe

DOH-Vorsitzende Ines Geipel: „Immenser Schaden für die Sportbewegung in Deutschland“

Ausgebliebene Aufarbeitung der DDR-Strukturen / Kritik an leeren DOSB-Versprechungen

Der Verein Dopingopfer-Hilfe (DOH) hat jetzt auf der ersten Pressekonferenz des neuen Vorstandes unter der Schriftstellerin Prof. Ines Geipel seine Forderungen an Politik und Sport in Deutschland präsentiert. In den Räumen der ‚Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur‘ in Berlin kritisierte der DOH heftig die ausgebliebene Aufarbeitung der DDR-Strukturen im Sport der neuen Bundesländer. „Hier entsteht der Sportbewegung ein immenser Schaden. Die Maßstäbe, die der DOSB selbst aufgestellt hat, müssen endlich umgesetzt werden“, forderte Geipel, die im DDR-Sport eine erfolgreiche Rekord-Läuferin gewesen war.

Unter Hinweis auf aktuelle Medienberichte sagte die DOH-Vorsitzende, die Stasi-Personalie Volker Kluge sei nach fast einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit nicht mehr hinnehmbar. Sie verlangte von den Herausgebern des Lexikons „Wer war wer in der DDR“ und der Stiftung Aufarbeitung, die Geschichtsschreibung des DDR-Sports nicht einem Apologeten zu überlassen, dessen Tätigkeit als „IM Frank“ für das Ministerium für Staatssicherheit seit 1995 weithin bekannt sei. Kluge, der Sportchef des FDJ-Organs „Junge Welt“ und Pressechef des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) der DDR war, habe immer wieder Geschädigte des staatlichen DDR-Dopingsystems diskreditiert. Dagegen werde der Dopingopfer-Hilfeverein nunmehr juristische Schritte einleiten.

Enttäuscht zeigten sich die staatlich anerkannten Dopingopfer vom Deutschen Olympischen Sportbund DOSB. Seit 2006 habe es „viele Versprechungen, aber keine konkrete Zusammenarbeit“ gegeben. Ines Geipel sagte, man erwarte vom DOSB Partnerschaft angesichts der absolut gegenwärtigen und prekären Problematik des Dopings: „Wir fordern DOSB-Präsident Bach auf, gemeinsam mit der Politik eine nachhaltige Lösung für die Notlage der Dopingopfer zu finden“. Zum Beispiel müsse endlich das Versprechen eingelöst werden, in die Präventionsarbeit des deutschen Sports sowie in Zeitzeugenprogramme an Sport-Eliteschulen eingebunden zu werden.

Der Dopingopfer-Hilfeverein begrüßt die für den 16. Mai im Bundestag vorgesehene Debatte um eine Rentenzahlung für Schwerstgeschädigte, die bereits als Minderjährige ins Doping-Zwangssystem der DDR eingebunden waren. Den Antrag dazu hat die Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen eingebracht. „Wir suchen das Gespräch auch mit den anderen Parteien, um auf die Notwendigkeit und Dringlichkeit dieses Rentenantrags hinzuweisen“, kündigte die DOH-Vorsitzende Geipel abschließend an. Derzeit werde eine aktuelle Schadensbilanz der rund 600 Dopingopfer erstellt, die beim DOH registriert sind.

Ebenfalls in der DOH-Pressekonferenz teilte der Heidelberger Molekularbiologe Prof. Werner Franke den Umzug des nach ihm benannten Doping-Archivs von Weinheim nach Berlin mit. Es werde in den Räumen der Robert Havemann-Gesellschaft untergebracht, die Eröffnung ist im Laufe des Sommers 2013 vorgesehen.

Berlin, 23.April 2013

Doping-Opfer-Hilfe(DOG) e.V.
doh-ev@gmx.de
www.dohev.de

Tel.: 030 / 405 772 40

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