27.03.2017 PM Doping-Opfer-Hilfe

Doping West muss genauso aufgearbeitet werden wie DDR-Zwangsdoping

Eine aktuelle Dissertation an der Universität Hamburg hat großflächiges Doping im Spitzensport der alten Bundesrepublik wissenschaftsfest gemacht, in der mehr als 50 Prozent der befragten, durchweg männlichen Athleten den Konsum anaboler Steroide für die siebziger und achtziger Jahre bestätigten. Damit ist die Dopingvergangenheit des Westens in nie dagewesener Dimension ein Fakt und kann nicht mehr als Schwarze-Schafe-Phänomen wegmoderiert werden. Der DOH begrüßt diese Realitätssicherung hinsichtlich der Westgeneration steroidgeschädigter Athleten als einen längst überfälligen Schritt. Nun geht es darum, die beteiligten Trainer, Ärzte, Funktionäre und Politiker zur Verantwortung zu ziehen. Das Ziel muss die konsequente, gesamtdeutsche Aufarbeitung der Dopingrepublik Deutschland sein, um deren komplexe Missbrauchsmentalität aufzudecken und zu beenden.

„Die gegenwärtige Spitzensportreform macht nur Sinn, wenn sie sich den bitteren historischen Hypotheken des organisierten deutschen Sports endlich stellt. Hier darf nichts mehr hinter der Nebelwand verschwinden, weder in Ost noch in West. Das sind wir den vielen Opfern schuldig“, sagt die DOH-Vorsitzende Ines Geipel.

Der Sport in Deutschland weist eine Schadensbilanz auf, die durch nichts mehr gedeckt ist: Medaillen, Siege, Rekorde sind mehrheitlich Lüge, das sportdeutsche Bildgedächtnis ist falsch, belastetes Personal aus Ost und West bleibt trotz öffentlicher Kritik im Amt, der organisierte Sport verweigert sich jedweder Verantwortung, die Zahl der Opfer steigt, ohne dass diese nachhaltige Hilfen erhalten. Unter dem Label einer chaotischen, indolenten Spitzensportreform haben sich in den Augen des DOH die Risiken im Unternehmen Elitesport eher verschärft, als dass seine Belastungen abgebaut werden. Das ist nicht hinnehmbar, unter keinen Umständen.

 

Pressedienst des DOH
Berlin, den 27.03.2017

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