3.3.2013 PM PM Doping-Opfer-Hilfe

Ines Geipel übernimmt Vorsitz der Doping-Opfer-Hilfe

„Allianz gegen den Trend der Manipulationen schmieden“/ Heftige Kritik an DOSB-Präsident Bach

Berlin. Die Schriftstellerin und ehemalige DDR-Sprinterin Ines Geipel aus Berlin ist zur neuen Vorsitzenden des Dopingopfer-Hilfe-Vereins (DOH) gewählt worden. Auf der Jahresversammlung am Wochenende in Berlin übernahm sie das Amt vom Weinheimer Mediziner Klaus Zöllig, der den Verein seit seiner Gründung 1999 geführt hatte und zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Neu im DOH-Vorstand sind mit Andreas Krieger (Kugelstossen), Uwe Trömer(Bahnradsport), Marie Katrin Kanitz (Eiskunstlauf), Kerstin Müller (Eisschnelllauf) und Ute Krieger-Krause (Schwimmen) ehemalige DDR-Athleten, die ebenso wie Ines Geipel staatlich anerkannt als Geschädigte des DDR-Dopingsystems sind. Jurist im DOG-Vorstand bleibt der Sportrechtsexperte Michael Lehner aus Heidelberg.

In einem eindringlichen Appell hat die neue DOH-Vorsitzende den Deutschen Bundestag aufgefordert, die jüngste parlamentarische Initiative von Bündnis 90/ Die Grünen zugunsten einer Lebensrente für die Schwerstgeschädigten unter den Dopingopfern zu unterstützen. Deren Lebenssituation sei dramatisch, die Politik müsse endlich die Verantwortung für den staatlichen Mißbrauch an ehemaligen DDR-Athleten übernehmen. Wörtlich sagte Geipel:

„Die Rente wäre für die Schwerstgeschädigten vor allem auch die politische Anerkennung des erlittenen Missbrauchs. Wo Hilfe not tut, muss sie kommen. So viel Fairness darf sein.“ In ihrem Antrag an den Bundestag fordern die Grünen einen Betrag „von mindestens 200 Euro monatlich“, um „erhebliche gesundheitliche Schäden zu kompensieren“. Die Zahlung soll einschränkend nur für Athleten gelten, bei denen die erstmalige Verabreichung von Dopingmitteln „vor Eintritt der Volljährigkeit“ erfolgte.

In einer Öffentlichkeits-Offensive will sich der Dopingopfer-Hilfe-Verein als Instanz für Geschädigte des Sports anbieten. Intensiviert wird deshalb auch die Präventions-Arbeit. „Es geht bei aller Dauerchemie in Sport und Gesellschaft jetzt vor allem um eine gesellschaftliche Allianz gegen den Trend der Manipulationen“, sagte Geipel. Zu diesem Zweck will der DOH weitere Partnerschaften wie bereits mit dem katholischen Sportverband DJK und der Deutschen Sportjugend (DSJ) eingehen. Zugleich erneuerte der DOH sein Kooperationsangebot mit den deutschen Sportorganisationen wie der Stiftung Deutsche Sporthilfe und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Heftige Kritik übte der DOH an DOSB-Präsident Bach, der trotz mehrfacher Aufforderung seine bereits beim Bundestag 2006 gemachten Zusagen zu einer Zusammenarbeit mit den Dopingopfern nicht eingelöst habe. Im Weimarer „Zehn-Punkte-Programm gegen Doping“ über eine verstärkte Aufklärungsarbeit an den Eliteschulen des Sports heißt es wörtlich:

„Der DOSB wird auch DDR-Dopingopfer bitten, sich an dieser Aufgabe zu beteiligen, denn niemand kann glaubwürdiger als sie über die schlimmen Folgen des Dopings berichten.“

Dazu meinte Ines Geipel: „Der organisierte Sport hat das Kapital dieser Erfahrung noch immer nicht verstanden. Es zu nutzen, würde ihn ziviler und realer machen. Und es könnte ihm die Anerkennung zurückbringen, die er durch seine Chemie-Kultur bei den Fans verloren hat.“

Das bisher in Weinheim bestehende Doping-Archiv des DOH wird nach Berlin umziehen. Unter dem Namen des Heidelberger Molekularbiologen und Anti-Doping-Kämpfers Prof. Werner Franke wird es neu eingerichtet werden, die Wiedereröffnung ist für die zweite Jahreshäfte 2013 geplant.

Doping-Opfer-Hilfe (DOH) e.V.
Berlin, 03. März 2013
i.A. Herbert Fischer-Solms

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