Die Integrative Dopingopfer-Beratungsstelle in Berlin

Die Beratungsstelle des DOH steht allen Sportlerinnen und Sportlern offen, gleich welcher Sportart, welchen Alters und welcher regionalen Herkunft. Erkennbar ist die Notlage der durch das staatliche DDR-Sportsystem Geschädigten besonders gravierend, bei ihnen sind zunehmend erhebliche medizinische, psychische, soziale und wirtschaftliche Probleme festzustellen. Viele von ihnen stellen Arbeitsprozess und Arbeitsalltag vor unüberwindbare Probleme, auffallend sind sich häufende Todesfälle nach Krebserkrankungen in einem relativ frühen Alter.

Der DOH stellt sich aber auch den Problemen, die das systemische Doping West hinterlassen hat, das für den Bereich der früheren Bundesrepublik durch das Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISP) festgestellt worden ist. Obendrein hat die Untersuchung der Stiftung Deutsche Sporthilfe aus dem Jahre 2013 über die Dysfunktionen des Spitzensports deutlich gemacht, dass der Athlet von heute bei Problemen wie Doping, Depression, Gesundheitsgefährdung und Manipulation oft allein gelassen wird.

Unmittelbar nach der Eröffnung im Oktober 2013 hat sich bereits gezeigt, dass eine solche Beratungsstelle bei den betroffenen Athleten und Athletinnen auf erhebliche Resonanz stößt. Der Bedarf dafür ist vorhanden, wie der DOH fast täglich in Mails, bei Anrufen oder durch Hinweise erfährt, die auf unterschiedlichste Weise an den Doping-Opfer-Hilfeverein ergehen. Auch anonym gegebene Meldungen Betroffener sind darunter.

Der DOH ist keine Organisation des Sports, er ist eine Organisation im Sport. Offensichtlich wird der DOH als ein glaubwürdiger Ansprechpartner gesehen, viele ihrer Vertreter und Mitglieder haben die Dopingproblematik aus leidvoller Erfahrung persönlich durchlebt. Dadurch ergibt sich sozusagen ein Dialog auf Augenhöhe. Das hat auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erkannt. Im Weimarer „Zehn-Punkte-Programm gegen Doping“ vom Dezember 2006 über eine verstärkte Doping-Präventionsarbeit heißt es wörtlich: „Der DOSB wird auch DDR-Dopingopfer bitten, sich an dieser Aufgabe zu beteiligen, denn niemand kann glaubwürdiger als sie über die schlimmen Folgen des Dopings berichten.“

Konzept für die Beratungsstelle dopinggeschädigter Athletinnen und Athleten

Der DOH e.V. – Forum für selbstbestimmtem Sport – versteht sich als eine von Sportorganisationen und –verbänden unabhängige kritische Instanz. Dadurch ist es möglich, Schäden des Sports aufzufangen sowie Tendenzen, Trends und Ereignisse in ihm unbelastet von Organisations- bzw. Verbandspolitik zu betrachten und zu analysieren. Der DOH arbeitet seit Jahren im Sinne einer gezielten Beratungs- und Interessensfunktion sowie dopingpräventiv, um dem satzungsmäßigen Ziel, der Verbesserung der Lebenssituation Dopinggeschädigter, zu entsprechen. Das Informationsbedürfnis und die Beratungswünsche insbesondere ehemaliger DDR-Athleten sind immens und auch immens steigend, was mit der historischen Spezifik des DDR-Sports, seinem ab 1974 etablierten konspirativen Doping-System zu tun haben dürfte.

Der DOH betreut derzeit 600 ehemalige DDR-Kaderathleten als Dopingopfer, alle mit einer markanten physischen, psychischen und sozialen Schadensbilanz. Durch den Aufbau der Beratungsstelle ist mit annähernd 2000 ehemaligen Athleten zu rechnen, die auf juristische und medizinische Unterstützung hoffen und auch Anspruch darauf haben.

Mit den Landes-Sportbünden der Länder Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Berlin ist hinsichtlich der einzurichtenden Beratungsstelle eine Kooperation in Form einer Co-Finanzierung angedacht und umzusetzen, da aus diesen Ländern die Geschädigten des DDR-Doping-Systems kommen. Um im Bereich der Tertiärprävention für die Betroffenen wirksam sein zu können, sind diese Länder besonders in der Pflicht. Gleichzeitig sollen zur Co-Finanzierung alle Landessportbünde angesprochen werden, die nach der Wende ehemalige DDR-Dopingtrainer weiterbeschäftigten, um dahingehend einen moralischen Ausgleich zu schaffen.

Die umfangreiche Beratungsarbeit des DOH für Dopinggeschädigte mündete im Aufbau einer Beratungsstelle, die ihren Sitz bei der Robert-Havemann-Gesellschaft, Schliemannstraße 23, 10437 Berlin, hat.

Die Beratungsstelle hat diese Aufgabe:

  • Individualberatung, Hilfe bei Aktenbeantragung sowie Hinweise für Unterstützung am Ort
  • Vermittlung an unsere Expertengremien (juristisch, etwa bei der Wahrnehmung von Versichertenrechten der Betroffenen gegenüber möglichen Kostenträgern gesundheitlicher und/oder rehabilitativer Maßnahmen (Sozialversicherungsrecht), medizinisch, psychisch)
  • Bereitstellung von Informationen und Materialien aus dem DOH-eigenen und ebenfalls bei der Havemann-Gesellschaft ansässigen Werner-Franke-Archiv
  • datenschutzrechtlich gesicherte Zusammenführung der Informationen der Betroffenen, um eine Professionalisierung der Beratungsarbeit zu gewährleisten

Die Beratungsstelle wird zunächst für die Jahre 2013 – 2017, also den laufenden Olympiazyklus, konzipiert. Danach wird sie evaluiert und an die aktuellen Bedürfnisse der Betroffenen angepasst.

(Stand Januar 2014)

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