DOH- Konzept zur Doping-Prävention

Gesamt-Konzept zur Dopingprävention

1. Einleitung

1.1 Ausgangslage und Zielsetzung

Das Präventionskonzept des DOH orientiert sich an den Prämissen, die im Nationalen Dopingpräventionsplan festgeschrieben wurden.
Der DOH arbeitet seit Jahren im Sinne einer gezielten Dopingprävention, unabhängig von Sportorganisationen und –verbänden, um dem satzungsmäßigen Ziel, der Verbesserung der Lebenssituation Dopinggeschädigter, zu entsprechen. Gleichzeitig widmet er dem aktuellen Sportgeschehen und deren Entwicklungstendenzen große Aufmerksamkeit, sodass ein aktives Eingreifen bzw. ein kritisches Signalisieren von Negativerscheinungen im Freizeit-, Breiten- und Spitzensport für ihn geboten ist. Alle Aktivitäten zielen darauf ab als externe Hilfe, dem Sport, in seinen vielfältigen Formen, den selbstpostulierten Anspruch auf Ethik und demokratisch-humanistische Werte zu bewahren.
Gleichzeitig ist es einem Teil der ehemaligen DDR-Sportler moralische Verpflichtung und inneres Bedürfnis, den aktuellen Dopingzwängen im Spitzensport mit all den verheerenden Wirkungen dieses Vorbilds auf den Freizeitsport eine Stimme entgegenzusetzen. Sie möchte nicht vor dem Sport an sich warnen, sondern vor kritikloser Zustimmung, vorgeschobener Ahnungslosigkeit und Instrumentalisierung von Heranwachsenden.

1.1.1 Gesellschaftspolitsche Relevanz

In den letzten Jahren orteten Ermittler auf dem Dopingschwarzmarkt weltweit operierende kriminelle Vereinigungen mit mafiöser Organisationsstruktur. Weder nachgebesserte juristische Instrumente noch einzelne Kampagnen können dieser Entwicklung in angemessener Weise begegnen. Die Doping-Gegner in Deutschland agieren bislang weit gehend unabhängig und isoliert voneinander. Um vorhandene Potenziale zu nutzen und voneinander zu partizipieren, ist es dringend notwendig, sich völlig neu aufzustellen.
Die Verhinderung des Zugriffs oben genannter Doping-Profiteure auf junge, sporttreibende Menschen obliegt nicht nur dem Staat, dem DOSB und der NADA. Vielmehr ist sie angesichts des Ausmaßes der Gefährdung als gesamtgesellschaftliche Verpflichtung gegenüber der jungen Generation einzustufen. Insofern müssen reale Ressourcen gebündelt und koordiniert werden, um verhaltens- und verhältnispräventive Projekte, Maßnahmen und Prozesse zur Dopingprävention zu befördern.
nach oben ↑

1.1.2 Gesundheitspolitische Relevanz

Auf Grund der Ausbreitung von Doping und Medikamentenmissbrauch im Breiten-, Freizeit- und Spitzensport und auf Grund seiner Verflechtung mit im Sport tätigen Hintermännern ist die Anbindung einer zentralen Beratungs- und Anlaufstelle an die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung ( BZgA) zu favorisieren.
Leitbild, Aufgaben und Zielstellung der zu schaffenden Beratungstelle des DOH e.V. decken sich weitestgehend mit denen der BZgA.*
Folgende Aufgabenfelder könnten dann von dieser Stelle wahrgenommen werden:

  • Beratung bei Schäden
  • Beratung und Begleitung des „Einstieges in den Ausstieg“
  • Aufklärung
  • Prävention

1.1.3 Sportpolitische Relevanz

Der DOH e.V.: Forum für selbstbestimmtem Sport versteht sich als ein von Sportorganisationen und –verbänden unabhängiges kritisches Korrektiv. Dadurch ist es möglich; dass Tendenzen, Trends und Ereignisse im Sport unbelastet von Organisations- bzw. Verbandspolitik betrachtet und analysiert werden können. Festgestellte Aspekte werden öffentlich diskutiert und publiziert.
Ebenso vertritt der DOH e.V. die Interessen dopinggeschädigter DDR-Sportler und Sportlerinnen auf sportpolitischem Gebiet. Zum Schutz aktiver Sportler/innen arbeitet der DOH e.V. präventiv und beratend in Krisensituationen.
nach oben ↑

1.2 Gesundheitsmodell

1.2.1 Salutogenese

Das Modell der Salutogenese wurde erstmals 1979 durch den israelisch-amerikanischen Medizinsoziologen Aaron Antonowski formuliert. Es stellt das vorherrschende Denksystem über Krankheit und Gesundheit radikal in Frage und forscht nach den Kräften und Wirkungen die gesunderhalten, anstatt nach Krankheitsursachen zu suchen.
Das Modell ist ein gesundheitsorientiertes, zur Vorsorge dienendes Instrument. Im Mittelpunkt steht der sog. Kohärenzsinn (Sence of coherence), der ein umfassendes, dauerhaftes und dynamisches inneres Vertrauen darstellt, dass das Leben und seine Anforderungen verstehbar, handhabbar und sinnerfüllt sind.

Im Modell der Salutogenese ist Gesundheit die abhängige und zu klärende Variable und ist als multidimensionales Gesundheits-Krankheits-Kontinuum konzipiert. Zu erklären ist die Bewegung auf dem Kontinuum. Durch die Betonung vielfältiger Widerstandsressourcen ist das Modell Grundlage präventiver Arbeit. Die Aktivitäten des DOH e.V. in Sachen Präventionsarbeit berücksichtigen den ganzheitlichen, salutogenetischen Ansatz.

1.3. Pädagogisches Modell

1.3.1 Partizipative Gesundheitserziehung

Der DOH orientiert sich am partizipativen Konzept der Gesundheitserziehung um die Stärkung von Schutzfaktoren und Kompetenzen zu fördern.
Die problemorientierte Wissens- und Kompetenzvermittlung berücksichtigt hier insbesondere die Bedürfnisse des Adressaten zur Stärkung bzw. Entwicklung von Bewältigungskompetenzen. Auf dieser Basis kann sich eine Verhaltensänderung oder auch Verhaltensentwicklung positiv vollziehen.
nach oben ↑

2. Zielgruppen

Der DOH definiert Doping nicht nur als einen Verstoß gegen bestehendes nationales und internationales Regelwerk, sondern erweitert den Begriff auch auf den Missbrauch von Stoffen, Substanzen und Methoden die nicht auf Verbotslisten stehen, jedoch ebenso der Leistungsmanipulation im Sport dienen. Diese sog. Vorstufen stellen ein Gefahrenpotenzial dar, da sie der Entwicklung der Dopingmentalität Vorschub leisten. Dementsprechend richtet sich zielgruppenorientiert der Inhalt präventiver Bemühungen des DOH an den klassischen Phasen von Prävention aus.

2.1. Primärprävention

Im Bereich der Primärprävention liegt der Schwerpunkt der Arbeit im Kinder- und frühen Jugendbereich. In Schulen und Sportvereinen werden junge Adressaten angesprochen, die bislang noch keinen Kontakt zu leistungssteigenden Stoffen, Substanzen und Methoden hatten.
Im Fokus der Arbeit liegt die Verhaltensprävention. In diesem Zielgruppenbereich strebt der DOH eine Spezialisierung an, da sich andere Träger dopingpräventiver Angebote auf andere Zielgruppen bzw. Altersbereiche konzentriert haben. Der DOH arbeitet, unter Beachtung der Genderproblematik, spezifische Angebote und Maßnahmen für Jungen und Mädchen diesen Präventionsbereich aus.

2.2. Sekundärprävention

In diesem Bereich stehen nicht nur die Sportlerinnen und Sportler im Jugend- und jungen Erwachsenenalter bei denen u.U. die physiologisch unbegründete Einnahme von Substanzen im nichtverbotenen Bereich habitualisiert ist, sondern auch die umgebenden Verhältnisse im Mittelpunkt der Betrachtung. Angesprochen werden hier insbesondere die Eliteschulen des Sports, Verbände und Vereine. Des weiteren angesprochen werden hier Eltern, Erziehungsberechtigte und Internats-leiter/innen.

2.3. Tertiärprävention

Ursprünglich arbeitete der DOH. ausschließlich im Bereich der Tertiärprävention, um für dopinggeschädigte Sportler und Sportlerinnen eine Verbesserung der persönlichen Lebenssituation zu erzielen. Aus dieser klassischen Aufgabenstellung heraus ergeben sich die Möglichkeiten aussteigewillige Doping- und Medikamentenkonsumenten zu beraten und neue Perspektiven aufzuzeigen. Der Einstieg in den Ausstieg wird gemeinsam erarbeitet und begleitet.
nach oben ↑

3. Netzwerkbildung zur Dopingprävention im Breiten-, Freizeit- und Spitzensport

Das umfangreiche Aufgabenspektrum im Präventionsbereich kann von keiner Organisation bzw. Institution allein wahrgenommen werden. Aus diesem Grund ist es dringend notwendig eine optimierte Ressourcenkoordination in Deutschland zu organisieren. Die bislang sparsame Finanzierung im Bereich der Dopingprävention bedingt, dass personelle und materielle Ressourcen nicht im erforderlichen Maße zur Verfügung stehen. Der DOH beabsichtigt, aus seinen Reihen Referenten zu gewinnen, auszubilden und in der Praxis einzusetzen, die im Ehrenamt tätig sind. Darüber hinaus strebt der DOH, wie im Nationalen Dopingpräventionsplan gefordert, eine Netzwerkbildung mit bereits vorhandenen Akteuren im Doping-Präventionsbereich an.

3.1 Kooperationspartner des DOH e.V.

  • DJK-Sportverband
    Mit der DJK besteht eine Kooperationsvereinbarung im Bereich der Dopingprävention seit 2012. Sie beinhaltet den gegenseitigen Einsatz von Referenten und zukünftige gemeinsame Projekte.
  • dsj-Deutsche Sportjugend im DOSB
    Seit 2009 arbeiten Mitglieder des DOH im Projekt „Anti-Doping-Referenten-Kernpool“ mit. Es erfolgt/e die Ausbildung und Weiterbildung von Referenten sowie deren Einsatz in der Praxis (Multiplikatorenschulungen, Traineraus- und Weiterbildung).
    Im Rahmen der Präventionsveranstaltungen greift der DOH auf die dsj-Arbeitsmappe „Sport ohne Doping“ zurück.
  • Deutsche Sporthochschule Köln
    Der DOH nimmt Experten der Sporthochschule Köln beratend in Anspruch um dem aktuellen Stand von Wissenschaft, Forschung und Lehre zu entsprechen.
    Lehrmaterialien, wie z.B. „Projektwoche Körperkult“ und „Saubere Leistung – Grenzen akzeptieren„ wurden durch Experten dem DOH zur Verfügung gestellt und kommen in der Praxis zur Anwendung.
  • Zentrum für Dopingprävention Heidelberg
    Seit über 10 Jahren besteht ein reger Austausch mit dem Zentrum für Dopingprävention. Die zeitnahe Zurverfügungstellung von Fachliteratur und –publikationen durch das Zentrum ermöglicht es dem DOH, sich laufend weiterzubilden und themenspezifisch zu arbeiten.
  • NADA- Nationale Anti-Doping-Agentur Deutschland
    Im Bereich der Prävention stellt die NADA regelmäßig und unentgeltlich Informationsmaterialien zur Verfügung, die ihren Einsatz in der Praxis finden.
  • BzgA- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
    Der DOH strebt eine Kooperation mit der BzGA mit dem Ziel an, eine DOH-Beratungsstelle mitzufinanzieren. Beim Aufbau und der Konzipierung dieser zu schaffenden Stelle nimmt der DOH die BzGA beratend und informell in Anspruch.
  • DOSB- Deutscher Olympischer Sportbund
    Der DOH ist weiterhin bereit und in der Lage, den DOSB bei der Umsetzung seines 10-Punkte-Programms ( Anti-Doping-Aktionsplan) zu unterstützen.
    Weiterhin ist über eine Co-Finanzierung der zu schaffenden DOH-Beratungsstelle zu verhandeln.
  • LSB (Landesportbünde) der Länder
    Mit den LSB, insbesondere die der Länder Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen ist hinsichtlich der zu schaffenden Beratungsstelle eine Kooperation in Form der Co-Finanzierung anzustreben, da aus diesen Ländern die Geschädigten des DDR-Doping-Systems stammen. Um im Bereich der Tertiärprävention für die Betroffenen die Arbeit ausbauen zu können, sind diese Länder besonders in der Pflicht. Gleichzeitig sollen zur Co-Finanzierung alle Landessportbünde angesprochen werden, die nach der Wende ehemalige DDR-Dopingtrainer weiterbeschäftigten, um hier einen moralischen Ausgleich zu schaffen.

nach oben ↑

4. Präventionsarbeit im DOH e.V.

4.1. Beratungsstelle/Beratungsarbeit

Der DOH bietet die Möglichkeit, im Rahmen von Präventionsveranstaltungen Referenten als Zeitzeugen in Anspruch zu nehmen. Darüber hinaus bietet der DOH weitere relevante Themen an, die sich mit der Dopingproblematik beschäftigen. Adressatengerecht werden diese Themen aufbereitet und vermittelt.
Ebenso widmet er sich der Pflege einer themenspezifischen Web-Site.
Im Sinne der Netzwerkbildung hält der DOH Kontakt zu Einzelpersonen, die sich dem Anti-Doping-Kampf verschrieben haben.

Die umfangreiche Beratungsarbeit des DOH für Dopinggeschädigte muss in die Schaffung einer Beratungsstelle münden, um folgende Aufgaben wahrnehmen zu können:

  • Individualberatung
    • Sammlung und Veröffentlichung von Informationen zu spezifischen Möglichkeiten der ärztlichen und/oder therapeutischen Behandlung von Dopingfolgeschäden
    • Vermittlung finanzieller Unterstützung bei der Wahrnehmung o.g. Behandlungen in Form von Zuschüssen ( Fahrtkosten, Eigenbeteiligungen, [anteilige] Kostenübernahme alternativer Behandlungsformen z.B. Heilpraktiker)
    • Vermittlung juristischer Beratung, etwa bei der Wahrnehmung von Versichertenrechten der Betroffenen gegenüber möglichen Kostenträgern gesundheitlicher und/oder rehabilitativer Maßnahmen (Sozialversicherungsrecht)

4.2. Werner-Franke-Archiv

Im Sinne einer Wissensbündelung und Kenntnissicherung unterhält der DOH das Werner-Franke-Archiv. In diesem Archiv finden sich Publikationen, Dokumente und Akten zur Dopingproblematik.
Es erfolgt der systematischer Aufbau eines Anti-Doping- Archivs zu wissenschaftlichen Zwecken. Beabsichtigt ist auch die Herausgabe und Verbreitung eines periodisch erscheinenden Newsletters zur Dopingproblematik, mit Hinweisen auf Ereignisse, Analysen oder Beiträge in Medien und Veranstaltungen.

4.3. Kernpoolbildung / Referentenschulung

Mitglieder des DOH werden für eine Referententätigkeit gewonnen und intern geschult, um im Rahmen von Präventionsveranstaltungen eingesetzt werden zu können. Es findet unter Einbeziehung von Einzelpersonen eine Kernpoolbildung statt, damit ein breites Themenspektrum (z.B. medizinisch, juristisch. ethisch, historisch, sportwissenschaftlich u.a.) abgedeckt werden kann.
In Zusammenarbeit mit den Beiräten des DOH sowie der Kooperationspartner erfolgt eine themenspezifische Weiterbildung.
Die Referenten des DOH nehmen an Tagungen und Konferenzen zum Thema Dopingprävention teil.

4.4. Entwicklung eines Leitfadens für DOH-Referenten

Zur besseren Organisation und Qualitätssicherung von Präventionsveranstaltungen erarbeitet der DOH einen Leitfaden für seine Referenten. Bei der Erarbeitung des Leitfadens nimmt der DOH seine Kooperationspartner in Anspruch, um auch hier dem aktuellen Stand von Wissenschaft, Forschung und Lehre zu entsprechen.

4.5. Qualitätssicherung und Evaluation durchzuführender Veranstaltungen, Maßnahmen und Projekte

Evaluation oder Evaluierung bedeutet allgemein die Beschreibung, Analyse und Bewertung (Begutachtung) von Projekten, Prozessen und Organisationseinheiten.

Für eine Evaluation werden Daten durchgeführter Veranstaltungen, Maßnahmen und Projekte methodisch organisiert erhoben und systematisch dokumentiert, um die Untersuchung, das Vorgehen und die Ergebnisse im Sinne einer Qualitätssicherung und– entwicklung nachvollziehbar und überprüfbar zu machen. Es erfolgt zur Datenerfassung eine systematische Befragung des Veranstalters und die Auswertung eines Teilnehmer-Fragebogen. Die Bewertung erfolgt durch den Vergleich der ermittelten Ist-Werte mit vorher explizit.
Gewonnene Erkenntnisse werden kurz- und mittelfristig analysiert und finden bei der Erarbeitung der einzelnen Veranstaltungs-, Projekt- und Maßnahmekonzeptionen Beachtung.
nach oben ↑