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Nachruf

Volker Heinrich wurde 1956 in Ost-Berlin geboren, besuchte die Grundschule in Friedrichshain und kam als hochtalentierter Mittel- und Langstreckenläufer früh zum TSC Berlin. Nach der zehnten Klasse an der KJS wechselte er nach Leipzig, an die DHfK. Bereits mit 16 Jahren gewann er als großes Lauftalent zahlreiche internationale Wettkämpfe. Doch in dieser Zeit wurde er nicht nur ins Zwangsdoping-System der DDR eingebunden. An ihm wurde auch in den Kellern des FKS Leipzig, dem illegalen Forschungsinstitut des DDR-Sports, kriminelle Forschung betrieben. Im Oktober 1974, soeben erst 18 Jahre alt geworden, unternahm Volker Heinrich einen Fluchtversuch aus der DDR, wurde jedoch gefasst und kam in Potsdam Lindenstraße in U-Haft. Zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, musste er ins berüchtigte Zuchthaus Cottbus und dort im Dreischichtsystem arbeiten. Nach 19 Monaten Haft wurde er freigekauft und siedelte nach West-Berlin über. Im Mai 1978 zog er nach Mainz und arbeitete zwanzig Jahre lang als Maschinenschlosser bei der Firma Opel in Rüsselsheim. 1997 erkrankte Volker Heinrich an einem Lebertumor. Zahlreiche Operationen und Klinikaufenthalte wie in Hamburg Eppendorf, Mainz oder Essen folgten. Die schwere Erkrankung schien nicht mehr zu stoppen. Er zog mit seiner Frau Sylvia Heinrich, die er im Notaufnahmelager Gießen kennengelernt hatte, nach Gräfenroda in Thüringen. Zuletzt lag er auf der Palliativstation in Ilmenau, mit diversen Leberkarzinomen, einem Tumor an der Nase, entfernten Lymphdrüsen, Wasser im Bauch und Blutungen in der Speiseröhre. Volker Heinrich starb am 5. Mai 2015. Er wurde 58 Jahre alt.
Der gesamte Vorstand und die Mitglieder der Doping-Opfer-Hilfe sprechen seiner Frau Sylvia Heinrich und seinen Angehörigen ihr ausdrückliches Beileid aus. Sein Tod trifft uns sehr.

Berlin, den 16. Mai 2015
i. V. Prof. Ines Geipel, Vorsitzende des DOH