Anwort des DOH-Vorsitzenden Herrn Dr. Michael Lehner zur Presseanfrage von Herrn Thomas Krause (Nordkurier)

Presseanfrage des Nordkurier vom 04.01.2019:

Sehr geehrter Herr Lehner,

ich habe noch einmal Fragen zum Fall XXX, der in Zeitungsartikeln behauptet hat, der Neubrandenburger Leichtathletik-Trainer Dieter Kollark hätte ihn zu DDR-Zeiten gedopt.Inzwischen haben mehrere Zeugen bestätigt (und würden dies vor Gericht auch wiederholen), dass XXX nie von Kollark trainiert und damit auch nicht gedopt worden ist. Es hat sich bislang auch niemand gefunden, der die Darstellung XXX in irgendeiner Weise bestätigen würde.
Kürzlich ist auch das Ermittlungsverfahren der Berliner Staatsanwaltschaft gegen Kollark wegen angeblicher Falschaussagen zu diesem Fall – die Anzeige hatte Ines Geipel gestellt und dies im NDR auch öffentlich publik gemacht – eingestellt. Die Zeitungen Tagesspiegel und Frankfurter Allgemeine Zeitung mussten Gegendarstellungen drucken, die Artikel wurden auf den Internetseiten beider Zeitungen gelöscht

Sie vertreten XXX: Bleibt ihr Mandant bei der Behauptung, Kollark hätte ihn damals trainiert?
Könnte es sein, dass Ihr Mandant sich getäuscht hat, vielleicht sogar den Namens seines damaligen Trainers durcheinander gebracht hat?
Sind seine gesundheitlichen Probleme allein auf Zwangsdoping in der DDR zurückzuführen?
In das Dopingprogramm der DDR wurden vornehmlich Spitzensportler und außergewöhnliche Talente einbezogen – dazu zählte XXX nachweislich nicht. Wie erklären Sie sich, dass er dennoch gedopt worden sein soll?
Sie sind als neuer Vorsitzender der DOH mit dem Vorsatz angetreten, die Wogen zu glätten, mit den Kritikern zu reden, nicht nachtreten zu wollen: Ist es daher jetzt nicht auch an der Zeit, im Fall Kollark/XXX für Klarheit zu sorgen? Halten Sie Ihre Doppelrolle als Rechtsanwalt XXX und als DOH-Vorsitzender in dieser Hinsicht nicht für kontraproduktiv?

Mit freudlichen Grüßen
Thomas Krause

 

Antwort vom Vorsitzenden Herrn Dr. Michael Lehner vom 06.01.2019:

Sehr geehrter Herr Krause,
Ich darf Ihnen zunächst meine guten  Neujahrswünsche verbunden mit der Hoffnung übermitteln, mit einer sachlich/objektiven  Berichtserstattung auch das Leid der Dopingopfer zu beleuchten.
Sie fragen nach Antworten meinerseits auf Fragen, die sich für mich leider teilweise doch sehr voreingenommen lesen. Immerhin und in dankenswerter Weise sind  Sie allerdings in Ihrer Anfrage von der Diktion eines Falles „XXX“ zur Formulierung des  „Fall Kollark/XXX“ übergegangen.

Zunächst: Herr XXX ist nach entsprechender behördlicher Überprüfung durch das Bundesverwaltungsamt anerkanntes Opfer des menschenverachtenden und höchstrichterlich (etwa Fall Pansold) als kriminell  eingestuften DDR-Dopingsystems. Ihre Mutmaßungen bzw. Anzweifelungen eines überhaupt Dopings von XXX sind damit meinerseits hinreichend beantwortet.

Ich selbst habe im Übrigen als anwaltlicher Vertreter der meisten Nebenkläger in den „Berliner Dopingstrafprozessen“ profunde Kenntnis und unmittelbare Erfahrung, wie Täter geleugnet und ihre Opfer als Lügner hingestellt haben. Ich habe auch zahlreiche Zivilprozesse etwa meine Mandantin Brigitte Berendonk betreffend geführt, in denen von den Tätern eidesstattliche Versicherungen vorgelegt wurden, die sich mit Verurteilungen in nachfolgenden Strafprozessen als falsch herausgestellt haben. Es dürfte  auch mittlerweile bewiesene geschichtliche Tatsache sein, dass in das DDR-Dopingsystem – wie natürlich bei anderen Dopingsystemen bzw. Dopingtaten auch – alle aktiv  Sportbeteiligten, mithin  u.a. Trainer, Ärzte und Funktionäre eingebunden waren. Grundsätzlich ist deshalb zu vermuten, jedenfalls kann nicht ausgeschlossen werden, dass wer damals ein anerkanntes Dopingopfer trainiert hat, auch und zumindest über dessen Doping wusste oder sogar aktiv daran beteiligt war. Wie nicht zuletzt die zahlreichen strafrechtlichen Verurteilungen zeigen, ist dabei  Dopingtäter bzw. schwerer Körperverletzer nicht nur derjenige, der Dopingmittel nachgewiesen auch aktiv verabreicht hat.

Soweit mir ersichtlich hat XXX keinesfalls persönlich in Zeitungsartikeln behauptet, unmittelbar vom Trainer Dieter Kollark gedopt worden zu sein. Strittig ist, ob Herr Kollark unmittelbar XXX trainiert hat. Hier gibt es unterschiedliche Sachverhaltsdarstellungen, über deren Wahrheitsgehalt ich mich weder als Anwalt noch als Vorsitzender des DOH hier näher auslassen  möchte. Mir ist mitgeteilt, dass XXX sich wegen von ihm empfundener Nachstellungen – nicht wegen des 2. DOHG – hilfesuchend an den DOH e.V. gewandt hat. Dopingopferhilfe ist bekanntlich der ureigene Zweck des DOH. Ich selbst bin zwecks Schutzes eben vor solchen Nachstellungen von XXX mandatiert worden und habe ja auch Sie deshalb darum gebeten und dazu  aufgefordert, unmittelbar XXX nicht mehr anzugehen.

Soweit Sie die von mir im Dopingopferhilfeverein neu übernommene Aufgabe ansprechen, können Sie versichert sein, dass der Verein weiterhin seinen Vereinszweck der Dopingopferhilfe engagiert erfüllen wird. Ich bin durchaus zuversichtlich, dass jeder der dies tatsächlich möchte, auch oder zukünftig wieder sozusagen an einem Strang ziehen wird. Der Dopingopfer Hilfeverein ist in seiner Arbeit in jeder Hinsicht transparent. Wir erfinden keine Sachverhalte oder propagieren eigen erdachte medizinische Erkenntnisse. Wir kümmern uns  um die  noch immer sehr zahlreich an den Verein und seine Beratungsstelle herangetragenen Anfragen. Wir bemühen uns im Opfersinne  seriös um medizinisch/wissenschaftliche Begutachtung und Forschung und allgemein um private und staatliche Unterstützung  der Opfer. Bitte verstehen Sie, dass dabei eine Einengung des Opferbegriffes nicht unser Anliegen sein kann. Schon wegen der Zeitabläufe können Unsicherheiten in der Sachverhaltsaufklärung oder Streit über – nicht von uns gefundener – wissenschaftlicher Forschungsergebnisse uns nicht zu einer deshalb opferkritischen  Beratung veranlassen. Wir vertrauen weiterhin auf  sachgerechte Entscheidungen im staatlichen Anerkennungsverfahren.

Wir laden alle, auch die journalistische Berichterstattung und Recherche, bei diesem im wahrsten Sinne guten Vorhaben zum weiter Mitmachen ein.

Abschließend: Gibt es bei Ihnen  recherchierte Erkenntnisse, ob unabhängig des „ Fall Kollark/XXX“ Herr Kollark als Trainer in der DDR in das dortige Dopingsystem passiv oder aktiv eingebunden war und ggf. in welcher Weise?? Dies wäre ja für die Beleuchtung des Gesamtsachverhaltes, dabei auch der jeweiligen Glaubwürdigkeit sicher von großer Bedeutung.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Michael Lehner

Bitte beachten Sie das aus Gründen des Schutzes der Privatsphäre der Name der Betreffenden Person durch XXX ersetzt wurde.