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Offener Brief an Herrn Prof. Dr. Werner W. Franke

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Statement des DOH zu den Papieren von Werner Franke, Henrich Misersky, Gerhard Treutlein und Claudia Lepping vom 14. November 2018 sowie 6. Dezember 2018 (pdf -Version)

Berlin, den 23.01.2019

Am 14. November 2018 veröffentlichten die vier Verfasser einen offenen Brief an den Sportausschuss des Deutschen Bundestages unter der Überschrift „Keine Entschädigung für Doping-Lügner und DOH-Gesetz überprüfen”. Darin wird das 2. DOG-Gesetz als „immer schon eine Einladung zum fortwährenden Betrug durch damals dopende Sportler” und die Prüfverfahren als „fragwürdig” bezeichnet. Es „werden subjektive ,Psycho-Gefühle”‘ als Begründungen zugelassen, zwei nicht namentlich genannte Chefärzte in Mecklenburg­ Vorpommern würden fälschlicherweise mit einer Traumatisierung in der zweiten Generation argumentieren und zwischen ihnen, der DOH-Vorsitzenden Prof. Ines Geipel und der Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen in MeckPom Anne Drescher bestehe eine „potentiell kritische Verflechtung”. Drei Wochen später, am 6. Dezember 2018, gingen die vier DOH-Kritiker dann mit einem 49-seitigen Papier unter dem Titel „Black Box DOH” an die Öffentlichkeit, in dem es weniger um das 2. DOHG und die Prüfverfahren ging, als vielmehr um die Arbeit des DOH generell und seine insinuiert falsche „Opferpolitik”. Als Anliegen des Papiers galt nun, die Definition des Opfers im DDR-Staatsdoping um- bzw. zurückzuschreiben. Dabei formulieren die Verfasser eine Sicht, die seit 20 Jahren in Wissenschaft und Justiz überholt ist.
In den beiden Papieren wird erneut formuliert, was bereits 1992 in Brigitte Berendonks Buch „Doping. Von der Forschung zum Betrug” zu lesen war. Das wesentlich von Werner Franke mitgeschriebene Buch zielt ganz auf den Untertitel: “Von der Forschung zum Betrug”. Ausgehend von DDR-Dissertationen und Habilitationen zum Doping in der DDR soll ein Betrugssystem außerordentlichen Ausmaßes offengelegt werden, in das der Sportler genauso verstrickt gewesen sei wie Ärzte, Trainer, Funktionäre und Politiker. Die Sportler hätten gewusst. Insofern seien sie Doper und Täter. “Die Sportler haben in den meisten Fällen willig beim Doping mitgespielt”. Die älteren und international erfahrenen Sportler dagegen müssen gewusst haben, dass es sich bei ihren ,Pillenkuren‘ um Doping, d. h. Betrug handelte. Denn ihre verständnisvolle, konspirative Mitwirkung wer spätestens beim Überbrückungsdoping in der sogenannten UWV erforderlich.” (S. 102) Ausnahme sind im Buch die minderjährigen Sportler. Hier empört sich der Text vor allem bei der Verabreichung von Steroiden an junge Mädchen, aber nicht im Hinblick auf die Folgen für Kinder und Jugendliche, sondern in erster Linie, um Trainer und Ärzte anzuklagen. Eine Opferperspektive nehmen die Ausführungen nur ein, wenn sie der Anklage gegen Täter dienen.

Die Kategorie der „Uninformiertheit über die Folgen des Dopings” kommt im Text nicht vor. Nur an einer Stelle heißt es lapidar: “Ob die DDR-Sportmediziner ihre ,Leistungspatienten’ in allen Fällen wirklich ordnungsgemäß informiert und über Risiken aufgeklärt haben, müsste von Staatsanwaltschaft und Ärztekammer geklärt werden.” (S. 102) In dem Buch wird das DDR­ Doping-System in seiner ganzen Monstrosität faktenreich dargestellt. Vom Betrug will nach 1989 niemand wissen, heißt es in ihm, außer die Autoren und zwei namentlich genannte Mitstreiter: Henrich Misersky und Gerhard Treutlein.
Dass das DDR-Dopingsystem nur in einer Diktatur so funktionieren konnte, spielt nirgends keine Rolle. Die Staatssicherheit existiert nicht. Der gesellschaftliche Kontext wird ausgeblendet. Druck, Manipulation und Abhängigkeit in einem Zwangssystem bleiben außen vor. Im Buch ist Betrug Betrug, egal in welchem System. Die Ausführungen passen in die skandalisierte Aufdeckerstimmung der ersten Nachwendejahre, die Betrüger des DDR-Sports, inklusive der Sportler, mussten entlarvt werden. Sechs Jahr später sind diese Positionen mit Blick auf die Athleten im DDR-Dopingsystem bereits obsolet. So legt Giselher Spitzer 1998 seine Studie ,.Doping in der DDR. Ein historischer Überblick zu einer konspirativen Praxis“ Bundesinstitut für Sportwissenschaft, Köln, vor – das bis heute maßgebliche wissenschaftliche Standardwerk zum Thema. Spitzer kommt darin zu einer völlig anderen Einschätzung der Sportler im DDR-Dopingsystem, die ab nun auch die Forschung bestimmt. Das macht sich bereits am Begriff „Zwangsdoping” fest, ein Begriff, der bei Franke/Berendonk nicht vorkommt. Spitzers Ausführungen basieren auf „16 Thesen zur Besonderheit des DDR­ Dopings” (S. XVIII) u. a.: “1. Im Regelfall gab es Zwangsdoping aufgrund der Kaderzugehörigkeit und ohne Mitwirkung der Athleten.” 2. Das Zwangsdoping stand unter staatlicher Aufsicht und wurde mit staatlicher Finanzierung durchgeführt. 3. Mitwissen und Mitwirken der Athleten war die Ausnahme. 8. Alle ausgewählten Aktiven einer Dopingsportart wurden gedopt; Verweigerung war nicht möglich. ”

Für Spitzer sind die Athleten Opfer eines diktatorischen Systems, das wesentlich auf der stillen Arbeit der Staatssicherheit der DDR basiert. (2005 dazu Spitzer „Sicherungsvorgang Sport. Das Ministerium für Staatssicherheit und der DDR-Spitzensport”, Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft Bd. 97, Bonn 2005) Er betont neben dem diktatorischen Systemzwang die Unwissenheit der Sportler, unterscheidet dabei nicht zwischen Minderjährigen und Erwachsenen, sondern geht von „langen Dopingmittelkarrieren” – also vom Jugendlichen zum Erwachsenen – aus (These 9). Diese Sichtweise geht in die zur selben Zeit stattfindenden Dopingprozesse ein, die bis vors Bundesgericht gehen. Die drei maßgeblichen Urteile sind dokumentiert in Marxen, Klaus, Wehrle, Gerhard (Hrsg.):
“Gefangenenmisshandlung, Doping und sonstiges Unrecht, Strafjustiz und DDR-U nrecht” , Dokumentation, Bd. 7, Berlin, 2009. Die Sportler im Dopingsystem der DDR wurden in den Prozessen klar als Opfer eines staatlichen Zugiiffs in einem diktatorischen System gesehen. Egal ob minderjährig oder erwachsen wurde die „Uninformiertheit” über die Dopingfolgen zum Zentralkriterium bei der Feststellung der Schädigungen. Die Rede ist durchweg von „vorsätzlicher Körperverletzung” und emem „flächendeckenden und hierarchisch durchorganisiertes System staatlich angeordneter Kriminalität” (Erstinstanzliches Urteil des Landgerichts Berlin vom 31.8.1998, Az. (534) 28 Js 39/97 KLs (17/98) bzgl. Gläser und Binus, in: Marxen, a. a. 0, S. 230) Die Sportler – unabhängig vom Alter – wurden „zu Opfern des Systems, da ihnen ohne Rücksicht auf ihren Willen eine sogar ihrem Wissen vorenthaltene Aufopferung ihrer Gesundheit durch Hinnahme von beträchtlicher gesundheitlicher Gefährdung abverlangt wurde”. (Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 9.2.2000, Az. 5 StR. 451/99, S. 273 – 278, sowie S. 276)
Am gründlichsten fand die juristische Auseinandersetzung zum Thema im Berliner Doping­ Prozess im Jahre 2000 gegen Manfred Ewald und Manfred Höppner statt. Für das Gericht galt es als erwiesen, “dass die angemessene Aufklärung der Sportler und Sportle1innen über mögliche Nebenwirkungen anaboler Steroide nicht erfolgte Das war aus Geheimhaltungsgründen auch nicht vorgesehen.” Die Sportler wurden „bewusst über die Wirkungsweise und die einhergehenden Gefahren im Unklaren gelassen”. (Erstinstanzliches Urteil des Landgerichts Berlin vom 18.7.2000, Az.: (538) 28 Js 14 /98 KLs (23/99)- Manfred Ewald, Manfred Höppner, in: Marxen, a. a. 0., S. 297). Die 22 Zeuginnen wurden hinsichtlich ihrer Klageberechtigung eingehend geprüft. Zwei Frauen wurden nicht zugelassen, weil sie nicht zum Kaderkreis gehörten. Das Urteil spricht bei allen von „Geschädigten” (S. 321) in einem „totalitären Machtapparat” (327). Es unterscheidet an keiner Stelle zwischen Minderjährigen und Erwachsenen. Es geht einzig darum, dass „keiner der Geschädigten über die Wirkungsweise dieser Tabletten sowie schädigende Nebenwirkungen aufgeklärt worden war.”

Nach dem Urteil ging Manfred Ewald in Revision. Die Argumente, die seine Anwälte in Stellung brachten, gleichen auf frappante Weise der Argumentation der Verfasser des Papiers “Black Box DOH”. Stichwort: Erwachsene Doper sind wissende Täter. Wenn, kann es nur um Medikamentenmissbrauch gehen [womit die Straftaten verjährt wären], des weiteren um die Anzweiflung der Schäden, v. a. psychischer, die Ausblendung eines staatlich-diktatorischen Systems mit Zwangsdoping und um einen personalisierten Vorgang zwischen Ärzten/Trainern und Sportler.
Alle diese Argumente hat der Bundesanwalt und noch einmal der Bundesgerichtshof explizit zurückgewiesen. (Antrag der Generalbundesanwaltschaft vom 6. August 2001 zur Strafsache Manfred Ewald an den 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs) In seiner Begründung spricht die Generalbundesanwaltschaft von einem „zentralgesteuerten systematisierten Doping” (S. 2), einem „staatlich gelenkten und organisierten System” (S. 8) “Die betroffenen Sportlerinnen wurden von Staates wegen …. für Staatszwecke instrumentalisiert. Sie wurden zu Opfern des Systems, da ihnen ohne Rücksicht auf ihren Willen eine sogar ihrem Wissen vorenthaltene Aufopferung ihrer Gesundheit durch Hinnahme beträchtlicher gesundheitlicher Gefährdung abverlangt wurde…. Ewas anderes kann auch nicht für diejenigen Fälle gelten, bei denen erwachsene Sportlerinnen nicht aufgeklärt wurden. Denn maßgebliches Kriterium ist nicht deren Alter, sondern ihre Unkenntnis über das ihnen Verabreichte und der damit verbundenen Körperverletzung.” (S. 2/3) Analog argumentiert der Bundesgerichtshof. Er sieht den „Unrechtsschwerpunkt in der Nichtaufklärung der betroffenen Sportlerinnen, die um der staatlich vorgegebenen Vertuschung willen systematisch vorgegeben war. Daher gilt für die Frage des Ruhens der Verjährung, soweit Körperverletzung zum Nachteil der erwachsenen Sportlerinnen betroffen waren, nichts anderes als bei den entsprechenden Vergehen zum Nachteil Minderjähriger.” (S. 3).
Seit 20 Jahren sind diese Positionen mit Blick auf das DDR-Staatsdoping demnach in Wissenschaft und Justiz Standard. Was also ist das Motiv der Verfasser, denen man wohl kaum fehlendes Wissen unterstellen kann, mit Positionen derart lautstark in die Öffentlichkeit zu gehen, die längst widerlegt sind? Zunächst zu einzelnen Aspekten der Kritik: Die Verfasser kritisieren die Charakterisierung des DDR-Dopingsystems als „flächendeckend”. Sie betonen dabei, dass nur einzelne Sportarten in das System eingebunden waren und der DOH die Zahlen völlig übertrieben darstelle. Der Begriff „flächendeckend” ist durch die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages in den Sprachgebrauch über das systematische DDR-Staatsdoping eingegangen, um den kategorischen, umfassenden Zugriff des Staates auf den Sportler zu charakterisieren.

So spricht Prof. Dr. Werner Franke selbst vor der Enquete-Kommission von der „Tatsache des flächendeckenden Minderjährigen-Doping” (S. 684), der „staatlich organisierten phannakologischen Manipulation junger Menschen im nationalen Interesse” (S. 676), vom „Massendoping der DDR” (S. 677) (Vortrag Prof. Dr. Werner Franke „Sportmedizin und Sportwissenschaft im Dienst des Staatsauftrages” vom 21. Juni 1993 vor der Enquete­ Kommission des deutschen Bundestages,in: Materialien der Enquete-Kommission.,Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland”, hrsg. vom Deutschen Bundestag, Bd. III/1, Baden-Baden 1995.) Der Begriff hat sich nicht nur in der Wissenschaftsdebatte zum Thema etabliert, sondern auch in den Urteilen zum DDR­ Staatsdoping, als „flächendeckendes und hierarchisch durchorganisiertes System staatlich angeordneter Kriminalität” (S. 230) und „flächendeckender und republikweiter Einsatz anaboler Steroide” (S. 182) (Erstinstanzliches Urteil des Landgerichts Berlin, Marxen, a. a. 0., S. 111 – 237. Desgleichen im U1ieil gegen Pansold). Eine Begrifflichkeit, die i. Ü. offenbar bereits in der DDR üblich war. So berichtete der Mediziner Bernd Pansold in einem seiner IM­ Berichte von der „flächendeckenden Anwendung anaboler Steroide an Teilnehmer der Zentralen Kinder- und Jugendspartakiade.” Tatsächlich waren nicht alle Sportarten gleichermaßen in das Dopingsystem eingebunden, aber aus dieser Tatsache lässt sich auch keine Reduktion der Schadensbilanz des Staatsdopings ableiten, wie die Verfasser intendieren. Werner Franke erklärte in seinem Vortrag vor der Enquete-Kommission noch: “Es waren in der DDR fast alle Frauen-Sportarten beteiligt, auch z. B. die Ausdauersportarten oder die Ballsportarten. So habe ich z.B. die detaillierten Dopingdosis-Angaben für die Volleyball- und Handballnationalmannschaften von 1979 und von 1980 gefunden.” (S. 682)
Zur Gesamtzahl, der in das staatliche Dopingsystem der DDR Eingebundenen gibt es nichts Verlässliches. Spitzer schreibt in seiner Studie, man sei „auf eigene Schätzungen angewiesen”. (S. 156). Und: Es „dürften daher (geschätzt) 8.000, eher aber 10.000 Personen gedopt worden sein” (S. 157) Gleichzeitig erwähnt er, dass neben der „zwangsweisen Vergabe von ‘normalen’ Anabolika”. auch andere Wirkstoffe berücksichtigt werden müssen … Weckamine , Diuretika, Betablocker, Wachstumshormone, psychotrope Substanzen, reine Psychopharmaka, ferner jahrelange Vergaben von nicht klinisch zugelassenen Steroide”. (S.157) . Dazu kommt die Tatsache, dass Trainer auch dort Dopingmittel einsetzten, wo sie durch die Systemvorgaben gar nicht erfasst waren. Eine Praxis, die sich immer stärker durchsetzte, je länger das Staatsdoping Tatsache war. Das System radikalisierte sich zusehends. Dies wird vielfach bestätigt durch die Berichte von Opfern in der DOH-Beratungsstelle, wo es heißt, dass Athleten auch außerhalb der Kaderkreise und in den Trainingszentren gedopt wurden. Als

Schlussfolgerung daraus geht der DOH mittlerweile von an die 15.000 ms System eingebundenen Athleten aus.
Die vier Verfasser stören sich daran, dass bei der Beurteilung der gesundheitlichen Schäden „subjektive ,Psycho-Gefühle'” als Begründungen zugelassen” würden. Die Auswirkungen von Steroiden auf die Psyche sind seit langem untersucht und gehören zum Basiswissen. Franke spricht vor der Enquete-Kommission von den Nebenwirkungen, “die ich als besonders dramatisch ansehe, nämlich die Persönlichkeitsveränderung bei Frauen durch Steroide”. (S. 683) “Diese androgene Steigerung zu einem aggressiven Verhalten der Frau ist etwas, was mit zum Unwürdigsten gehört.” (S. 683). Ausführlich thematisiert auch der bestellte Gutachter im Prozess gegen Ewald und Höppner, Dr. Hellmut Mahler vom Institut für Rechtsmedizin der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, die psychischen Folgen längerer Anabolika-Einnahme. “Psychische Störungen durch die Wirkung von z. B. 17- Methyltestosteron (wie Oral-Turinabol) wurden vielfach in der Literatur beschrieben. Es gilt als unstrittig, dass anabole Steroide bei zahlreichen Menschen deutlich psychische Effekte verursachen …. Dabei wurde auch über zahlreiche z. T. irreversible neuronale Veränderungen berichtet”. (Gutachten von Dr. Hellmut Mahler vom 29. 6. 2000 im Ermittlungsverfahren Ewald/Höppner, S. 32) “Die gesundheitlichen Wirkungen von Oral-Turinabol …. die auf jeden Fall eintreten, auch wenn sie von den betroffenen Personen nicht bemerkt werden bzw. werden können sind: [sind u. a.] “Veränderungen der Psyche”. (S. 50) In der detaillierten Einlassung auf die Erscheinungen von Aggression/Depression bei einer Zeugin erklärt Mahler: “Hier handelt es sich um typische Nebenwirkungen und Wirkungen anabol-androgener Steroide, weshalb hier von einer Folge klarer Indizien gesprochen werden kann.” (S. 47). Mahler weist daraufhin: “Das ganze Spektrum der Nebenwirkungen anabol-androgener Steroide war bereits bis zum Anfang der 70er Jahre bekannt in internationalen Fachzeitschriften, z. T. auch schon in Form von Übersichtsartikeln veröffentlicht.” – auch die psychischen Schäden. (1971 Seyle; Ehrenkranz 1974). (53) Selbst in der DDR-Literatur der 60er Jahre wurde schon auf die psychischen Folgen bei dauerhafter Einnahme hingewiesen (Riessbeck 1963) (S. 55).”
Psychische Störungen durch anabole Steroide sind in der Forschung also völlig unstrittig, oft auch als irreversibel neuronale Schädigungen. Eine Verändenmg der Psyche tritt auf jeden Fall ein, so Mahler in seinem Gutachten, bis hin zur Diskussion, ob diese Substanzen nicht auch Auslöser für Psychosen und Schizophrenien sind. Die Literatur dazu ist seit den 70er Jahre vielfältig. Umso drängender noch einmal die Frage nach den Motiven der Verfasser für die Leugnung eines solchen Standards.

Das Papier insinuiert fortlaufend eine „Verstrickung”, ein „Beziehungsgeflecht” oder auch „ein Geschäft zu beiderseitigem Nutzen” zwischen den Medizinern Prof. Dr. Freyberger, Dr. Jochen Buhnnann, der Politik in MeckPom und dem DOH, respektive Prof. Ines Geipel. Eine solche Verstrickung ist völlig abwegig. Der DOH ist dankbar für jede Bereitschaft, die Notsituation der Dopingopfer durch konkrete Arbeit zu unterstützen. Fakt ist, dass nur wenige Ärzte kompetent sind in dem Feld und daher auch nicht zu einer Zusammenarbeit bereit sind. Die Auswahl der Kliniken und Ärzte ist daher extrem beschränkt. Der DOH hat in den letzten Jahren händeringend um eine Ausweitung der Betreuung durch Ärzte und Kliniken gekämpft. Dass sich daher bei den Empfehlungen für Klinikbesuche und Gutachten immer dieselben Ansprechpartner ergeben, liegt in dieser Notlage begründet. Nur zu gern hätte der DOH auch bei anderen Institutionen Forschungsvorhaben angeregt, aber es gab kein Interesse. Die Langzeitstudie zu DDR-Dopingschäden für die Primärgeneration wurde ohne jede Mittel im Sommer 2017 Mittel begonnen und von Prof. Dr. Freyberger sowie Dr. Jochen Buhrmann über eine Kooperation hin mit dem DOH durchgeführt wurde. Die Zahlen, die das Pamphlet in dem Zusammenhang nennt, sind Unsinn. Der DOH spricht von 15 000 Betroffenen des DDR­ Zwangsdopingsystems und nicht von 15 000 Dopingopfern. Diese gezielten Falschdarstellungen durchziehen das gesamte Papier.
Der Landtag Mecklenburg-Vorpommern hatte für den 10.9.2015 eine öffentliche Anhörung des Innenausschusses unter dem Thema „Doping und Zwangsdoping in den drei Nordbezirken der DDR historisch aufarbeiten” anberaumt. In der Folge wurden drei Dissertationsarbeiten zum Thema beschlossen. Diese wurden öffentlich ausgeschrieben. Ines Geipel erhielt den Zuschlag für ihre Arbeit „Stellare Körper. Hybris und Gewalt im DDR­ Sport, mit Schwerpunkt auf den drei Nordbezirken”. Es ist eine rein historische Arbeit an der Universität Rostock, hat nichts mit der Langzeitstudie und den Arbeiten von Prof. Dr. Freyberger (Greifswald) und Dr. Jochen Buhrmann (Schwerin) zu tun und auch nichts mit den Daten des DOH . Für die Promotion erhält sie für zwei Jahre ein Stipendium von 1100 Euro pro Monat. Eine Verlängerung um ein Jahr ist möglich, aber nicht entschieden. Eine unterstellte Verstrickung, Unlauterkeit oder auch ein vermeintliches Datenschutzproblem ist der blanke Unsinn. Das Procedere ist gängig, öffentlich und transparent. Die Arbeit benötigt keine Daten vom Verein und greift entsprechend auch nicht darauf zurück.
Die Verfasser unterstellen, der DOH diene ,jedem früheren DDR-Sp01iler aktiv an, ob es nicht gewesen sein könnte, dass er „unwissentlich zwangsgedopt” worden” sei, um daraus seinen Nutzen und das „schnelle Geld” zu ziehen. Dazu ist noch einmal klarzustellen, dass es die Bundesregierung war, die zwei Entschädigungsgesetze für DDR-Dopingopfer eingerichtet

hat. Die Gesetzestexte haben analogen Wortlaut und legen fest, unter welchen Prämissen das Bundesverwaltungsamt entschädigt. Mit diesem Vorgang hat der DOH nichts zu tun. Er prüft nicht, und er entschädigt nicht. Der DOH ist als Vorfeldorganisation mit seiner intensiven Beratungstätigkeit eine unmittelbare Anlaufstelle für die stark steigende Zahl der Geschädigten. Er hat keinerlei Entscheidungsbefugnis, wollte sie auch ausdrücklich nicht und reagiert allein auf die ilm erreichenden Anfragen. Dass die aktuellen Gutachten „wissenschaftlich unseriös” seien, wie die Autoren behaupten, entbehrt jeder Grundlage. Die Gutachter sind durch profunde Kenntnisse in ihrem jeweiligen Fach ausgewiesen, die Gutachten umfassend und fundiert.
Der DOH verweist seit zwei Jahren auf die auffällig hohe Zahl Geschädigter in der zweiten Generation und hat die Bundesregierung von daher zur Forschung über die Thematik aufgefordert. Transgenerationelle Taumatransmission ist Standard in der Forschung seit wenigstens 15 Jahren. Mit Blick auf die Folgestudie hat es am 28. 11. 2018 im Bundesinnenministerium mit dem DOH und einem Forscherteam ein erstes Treffen gegeben, das zum Ergebnis hatte, eine Studie zum Gegenstand zeitnah auszuschreiben.
Die Äußerungen über Prof. Ines Geipel in dem Papier sind verleumderisch und werden aufgrund der Fülle von unwahren Tatsachenbehauptungen als Ganzes zurückgewiesen. Im Detail sind sie Gegenstand einer Unterlassungsklage gegen Henrich Misersky, die in Kürze vor dem Berliner Landgericht verhandelt wird.
Was ist davon zu halten, wenn die Verfasser Positionen in der Öffentlichkeit präsentieren, die seit zwei Jahrzehnten niemand mehr in Fachkreisen ernsthaft behauptet: die Opfer als Betrüger, das Negieren psychischer Folgen der Steroide, das Negieren des DDR­ Zwangssystems, das Ausblenden von Diktatur und Staatssicherheit beim DDR-Staatsdoping. An mangelndem Wissen über die Entwicklung und den Stand der Debatte kann es nicht liegen. Das Papier „Black Box DOH” argumentiert in frappanter Weisen mit den gleichlautenden Begründungen der Anwälte von Manfred Ewald, als dieser gegen seine Verurteilung in Revision ging. Wo steht die Aufklärung zum DDR-Doping und damit zum DDR-Sport generell 30 Jahre nach der Öffnung der Archive, nach zahlreichen Prozessen, intensivsten Debatten und vielfach Publiziertem, wenn nicht mehr die ewigen Leugner des Systems das Problem bei der Aufklärung sind, sondern die mit dem Nimbus der Experten ausgestatteten Uraufklärer? Den Tätern von einst – mittlerweile eher still geworden – müssen die neuartigen Expertenpositionen wie ein Geschenk des Himmels vorkommen. Vieles von dem, was sie vehement verleugnet haben, wird ihnen nun von ihren einstigen Gegnern ohne Not offeriert. Es stimmt also doch, was Manfred Ewald, Präsident des DTSB und Mitglied des ZK der SED so sicher wusste:
“Flächendeckendes Doping gab es nicht”?

Die beiden Papiere sind auf alarmierende Weise ahistorisch, anmaßend und in den Anwürfen grundfalsch. Diese destruktive Kritik schadet dem Verein, einzelnen Personen, der Aufklärung, indem es wieder einmal versucht, das System zum Opfer zu machen, vor allem aber verunsichert und belastet sie die Geschädigten. Sie ist auch deshalb als völlig unsubstantiiert zurückzuweisen, da die Autoren keinerlei Sachwissen über die konkrete Arbeit des DOH besitzen und es auch über Jahre nicht für nötig befanden, es zu bekommen. Keine einzige Rückfrage, keine Mail, kein Anruf. Vermeintliche DOH-Verstrickungen zu mutmaßen oder gar unseren Verein als einen Geheimbund organisiert zu sehen, entbehrt jeder Realität und hätte durch eine einzige Nachfrage mühelos ausgeräumt werden können. Insbesondere aber verwahren wir uns gegen die üblen Diskreditierungen von Prof. Dr. Harald Freyberger, Dr. Jochen Buhrmann, Anne Drescher, Michael Reinsch und unserer ehemaligen Vorsitzenden Prof. Ines Geipel. Wir sind froh um ihr Engagement und ihre Klarheit.

Der Vorstand des DOH

Bundesweite Beratungsstelle

Anlaufstelle für Doping-Geschädigte, für aktive Athleten in Not, für Eltern und Betreuer →  Dope-Out-Hotline Beratung bei Leistungsdruck, Depression, Betrug, Manipulation…

Dopingbroschüre – Staatsdoping in der DDR

Die sportlichen Erfolge der DDR waren durch ein staatlich organisiertes, flächendeckendes Zwangsdopingsystem erkauft – auf Kosten der Gesundheit von mehr als 15.000 Spitzen- und …

Gerbergasse 18

„Gerbergasse 18″, Heft  2/2018 , der Thüringer Vierteljahres für Zeitgeschichte und Politik zum Thema „Sportsystem“

Aktuelles / Termine

Achtung: Das 2. Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz wurde vom Bundesrat bis zum 31.12.2019 verlängert. Siehe Aktuelles!hier klicken!