Was für ein buntes Treiben und Aufregung in der Villa des Berliner Olympiaparkes am Nachmittag und Abend des 11. November 2022.

Der Doping-Opfer-Hilfe e.V. hatte zu seiner 1. Vernissage mit Kunstwerken Dopingbetroffener des DDR-Zwangsdopingsystems eingeladen.

Etwa 80 Besucher:innen folgten der Einladung dieser besonderen Ausstellung

„Mein Sport. Meine Seele. Meine Kunst.“

und kamen so ins Gespräch. Traumabewältigung mittels der Kunst - ein Weg für nicht wenige, ihrem Leid Ausdruck zu geben.

Darüber hinaus waren die Gespräche untereinander und mit den Besucher:innen der Ausstellung eine weitere helfende Hand für die jeweils eigenen Aufarbeitungen.

Bewegende Geschichten und Erläuterungen zu den Kunstwerken machten diesen Abend und diese Ausstellung so emotional erfahrbar und zeigten einmal mehr, dass die Aufarbeitung von DDR-Unrecht

juristisch nicht erfolgt, politisch durch zahlreiche Willensbekundungen geschmückt, gesellschaftlich oft verdrängt, persönlich ein langer und schwerer Weg,

ein großes Thema ist und bleibt!

Wir danken allen Beteiligten für ihren großen Mut einen kleinen Teil Ihrer persönlichen Aufarbeitung einer Öffentlichkeit zu zeigen!

Die Bereitschaft liegt vor, dies auch an anderen Orten zu tun.

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Treff des Vorstandes des DOH e.V. mit dem zuständigen Referat „Dopingbekämpfung. Integrität und Werte im Sport“ beim BMI

Am 27.09.2022 konnten wir uns endlich wieder persönlich mit den Mitarbeitern aus dem Ministerium des Inneren austauschen, die den Doping-Opfer-Hilfe e.V. maßgeblich unterstützen.

Lothar Wellmann, zuständiger Sachbearbeiter im BMI, hatte unseren Vorstand eingeladen. Die Vorstandsmitglieder Ariane Speckhahn und Tina Jürgens konnten hier über die unterjährige Arbeit des DOH e.V. berichten und in angeregter Diskussion die Themen zur Sprache bringen, die uns in unserer ehrenamtlichen Tätigkeit für den Verein bewegen.

Zuletzt gingen wir noch auf den Projektantrag für das Jahr 2023 ein. Auch hier konnten wir unseren Ansprechpartnern die geplanten Projektvorhaben, die dem BMI zur Bewilligung vorliegen, detailliert vorstellen und unsere langfristigen Ausrichtungen und Schwerpunkte erläutern.

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Vorstellung DOH im Rahmen des Campus Kino am 01.09.2022

Im Rahmen eines neuen Formates können sich seit diesem Jahr Vereine, die auf dem Campus für Demokratie angesiedelt sind, jeweils vor dem entsprechenden Kinofilm in einem Zeitrahmen von 15 Minuten vorstellen.

Wir durften am 01.09.2022 vertreten durch Vanessa Salata und Ariane Speckhahn auf die Bühne. Dagmar Hovestädt, Abteilungsleiterin im Bundesarchiv, moderierte das Vorstellungsprogramm und stellte gezielte Fragen an uns. So durften wir vor ca. 450 Leuten unsere Arbeit kurz, aber inhaltsreich vorstellen.

Wir konnten in viele interessierte Gesichter schauen und erhielten guten Beifall.

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Empfehlungen zu Medienbeiträgen

In den letzten Wochen gab es eine Vielzahl toller und wichtiger Medienbeiträge rund um das Thema Sport, Doping und Missbrauch im Sport. Hier eine kleine Favoriten-Liste des DOH e.V. :
Den Anfang machen die mehrteilige TV-Dokumentation und der dazu gehörige Podcast um den Radsport-Star Jan Ulrich. Es lohnt sich in jedem Falle, sich beides anzuschauen und anzuhören.
 
Als einer der wichtigsten Journalisten, die sich um die Aufarbeitung der Doping-Geschichte nicht nur in der DDR bemühen, gilt Hajo Seppelt und sein Team von der ARD-Dopingredaktion. Für den rbb hat er den sehr hörenswerten Podcast „Geheimsache Doping“ gestartet und gerade ist seine Doku über sexuellen Missbrauch im Schwimmen veröffentlicht worden.
 
Flankierend dazu lohnt sich die aktuelle Folge von "Sport inside“ - Wie der Sport weltweit mit strukturellem Missbrauch kämpft“:
 
Zum Abschluss noch ein Hinweis auf die Kollegen vom Podcast „111 km Akten“ mit einer Sonderfolge zum Thema Doping mit der ehemaligen Leichtathletin Gesine Tettenborn im Interview.

Veranstaltung am 23.06.2022

„DDR-Doping – die Puzzleteile zusammensetzen“

mit der DDR-Sprinterin Gesine Tettenborn (Walther)

 Am 23.06.2022 im Haus 22 auf dem Campus der Demokratie fand in Kooperation mit dem Stasi-Unterlagen-Archiv im Bundesarchiv zum Thema „DDR Staatsdoping - Puzzleteile zusammensetzen“ eine Veranstaltung mit der Zeitzeugin Gesine Tettenborn (Walther) und der Diplom-Archivarin Silvia Oberhack statt. Durch das Gespräch führte die „Zeit“-Redakteurin Elise Landschek.

Gesine Tettenborn schilderte ihren Weg zur erfolgreichen Leistungssportlerin der DDR und sprach über ihren ganz persönlichen Weg der Aufarbeitung. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde der allgemeine Stand der Aufarbeitung reflektiert:

Die ZERV (Zentrale Ermittlungsstelle Regierungs- und Vereinigungskriminalität von 1991 bis 2000) hatte ab 1991 umfassende Ermittlungen zum Staatsdoping, deren Täter und Betroffenen aufgenommen. Frau Oberhack wies dabei eindrücklich auf die Problematik bei der Aufarbeitung eines totalitären Systems mit rechtstaatlichen Mitteln hin.

Die Dopingvergabe, insbesondere an Minderjährige, wurde mit dem Straftatbestand der Körperverletzung verfolgt. Juristische Aufarbeitung wurde versucht, gelang aber nur bedingt, was nicht am fehlenden Willen lag, sondern nicht zuletzt am rechtlichen Rahmen.

Der DOH e. V. widmet sich neben der Beratung und Betreuung ehemaliger Leistungssporter:innen der Aufarbeitung und Aufklärung und benutzt dafür alle Möglichkeiten der schriftlichen Hinterlassenschaft sowohl aus den Landesarchiven, den Universitätsarchiven, dem Militärarchiv, den Stadtarchiven, den Wirtschaftsarchiven und dem Stasi-Unterlagen-Archiv. Weitere Informationen finden Betroffene unter: https://no-doping.org/beratung/

Veranstaltungs-Marathon im Mai

Die letzten Wochen waren bei uns angefüllt mit vielen Vor-Ort-Terminen. Es ist schön, wieder direkt mit den Menschen sprechen zu können und nicht über den Bildschirm des eigenen Computers.

Zu den Highlights gehörten da für mich auf alle Fälle das Treffen mit dem Brandenburgischen Ministerpräsidenten Herrn Dietmar Woidke und das Verbändetreffen mit der Landesbeauftragten von Brandenburg, Frau Maria Nooke, in Potsdam.

Für große Freude hat auch das Treffen mit Thomas Weickert, dem neuen Präsidenten des DOSB gesorgt, der sich auch weiterhin für unsere Sache einsetzen will.

Aber auch die Wissenschaft kam nicht zu kurz. Ich durfte in der Bundesstiftung an der Online-Podiumsdiskussion zum Thema „Diskriminierung und Optimierungszwang im Spitzensport“ teilnehmen. Für alle, die interessiert sind, hier der Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=2shI2YVVAUg

Zwangsdoping in der DDR
Verwaltungsrechtliche Rehabilitierung und Opferentschädigung
Anmerkung von Dr. Michael Lehner zum neuen Gutachten

Nicht nur die politische, sondern auch rechtliche Unterstützung haben die Dopingopfer mit einer Revidierung eines früheren Rechtsgutachtens der wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages erhalten. Nachdem auf alter Grundlage die Bundesregierung noch im Jahre 2018 die Auffassung vertreten hatte, das verwaltungsrechtliche Rehabilitierungsgesetz VwRehaG scheide grundsätzlich als Anspruchsgrundlage für Entschädigungsleistungen an Dopingopfer der DDR aus, berücksichtigt nunmehr die neue Ausarbeitung vom 26.04.2022 die Grundsatzentscheidung des Verwaltungsgerichtes Greifswald, nach der sehr wohl Zwangsdoping eine Willkür im Einzelfall darstellt und deshalb die Entschädigungsansprüche der verwaltungsrechtlichen Rehabilitierung für die Dopingopfer eröffnet sind.

Wir hoffen, dass sich nunmehr alle Bundesländer dieser Rechtsauffassung anschließen und die antragstellenden Dopingopfer zügig mit entsprechenden, auch Rentenansprüchen, verwaltungsrechtlich rehabilitiert werden.

Der Bundesbeauftragten der Opfer der SED-Diktatur, Frau Evelyn Zupke sei nochmals für ihren auch in diesem Zusammenhang besonderen Einsatz für die Dopingopfer gedankt.

Austausch mit den anderen Opferverbänden

Am 25. / 26. Juni 2022 hat die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) zum Verbändetreffen eingeladen.

Neben der Begrüßung durch den Vorsitzenden Dieter Dombrowski haben uns besonders die Grußworte von Alexandra Titze (Vizepräsidentin im Bundesarchiv) und der SED-Opferbeauftragten Evelyn Zupke gefreut, die ihren Jahresbericht feierlich dem Vorsitzenden überreichte.

Wir hatten die Gelegenheit über unsere Aktivitäten der letzten Monate zu berichten und uns mit den anderen Opferverbänden über ihre Arbeit auszutauschen.
Wir erwarten in diesem Jahr noch weitere Treffen und Projekte, die wir zusammen mit der UOKG veranstalten wollen. 

Tietze