Veranstaltung am 23.06.2022

„DDR-Doping – die Puzzleteile zusammensetzen“

mit der DDR-Sprinterin Gesine Tettenborn (Walther)

 Am 23.06.2022 im Haus 22 auf dem Campus der Demokratie fand in Kooperation mit dem Stasi-Unterlagen-Archiv im Bundesarchiv zum Thema „DDR Staatsdoping - Puzzleteile zusammensetzen“ eine Veranstaltung mit der Zeitzeugin Gesine Tettenborn (Walther) und der Diplom-Archivarin Silvia Oberhack statt. Durch das Gespräch führte die „Zeit“-Redakteurin Elise Landschek.

Gesine Tettenborn schilderte ihren Weg zur erfolgreichen Leistungssportlerin der DDR und sprach über ihren ganz persönlichen Weg der Aufarbeitung. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde der allgemeine Stand der Aufarbeitung reflektiert:

Die ZERV (Zentrale Ermittlungsstelle Regierungs- und Vereinigungskriminalität von 1991 bis 2000) hatte ab 1991 umfassende Ermittlungen zum Staatsdoping, deren Täter und Betroffenen aufgenommen. Frau Oberhack wies dabei eindrücklich auf die Problematik bei der Aufarbeitung eines totalitären Systems mit rechtstaatlichen Mitteln hin.

Die Dopingvergabe, insbesondere an Minderjährige, wurde mit dem Straftatbestand der Körperverletzung verfolgt. Juristische Aufarbeitung wurde versucht, gelang aber nur bedingt, was nicht am fehlenden Willen lag, sondern nicht zuletzt am rechtlichen Rahmen.

Der DOH e. V. widmet sich neben der Beratung und Betreuung ehemaliger Leistungssporter:innen der Aufarbeitung und Aufklärung und benutzt dafür alle Möglichkeiten der schriftlichen Hinterlassenschaft sowohl aus den Landesarchiven, den Universitätsarchiven, dem Militärarchiv, den Stadtarchiven, den Wirtschaftsarchiven und dem Stasi-Unterlagen-Archiv. Weitere Informationen finden Betroffene unter: https://no-doping.org/beratung/

Veranstaltungs-Marathon im Mai

Die letzten Wochen waren bei uns angefüllt mit vielen Vor-Ort-Terminen. Es ist schön, wieder direkt mit den Menschen sprechen zu können und nicht über den Bildschirm des eigenen Computers.

Zu den Highlights gehörten da für mich auf alle Fälle das Treffen mit dem Brandenburgischen Ministerpräsidenten Herrn Dietmar Woidke und das Verbändetreffen mit der Landesbeauftragten von Brandenburg, Frau Maria Nooke, in Potsdam.

Für große Freude hat auch das Treffen mit Thomas Weickert, dem neuen Präsidenten des DOSB gesorgt, der sich auch weiterhin für unsere Sache einsetzen will.

Aber auch die Wissenschaft kam nicht zu kurz. Ich durfte in der Bundesstiftung an der Online-Podiumsdiskussion zum Thema „Diskriminierung und Optimierungszwang im Spitzensport“ teilnehmen. Für alle, die interessiert sind, hier der Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=2shI2YVVAUg

Zwangsdoping in der DDR
Verwaltungsrechtliche Rehabilitierung und Opferentschädigung
Anmerkung von Dr. Michael Lehner zum neuen Gutachten

Nicht nur die politische, sondern auch rechtliche Unterstützung haben die Dopingopfer mit einer Revidierung eines früheren Rechtsgutachtens der wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages erhalten. Nachdem auf alter Grundlage die Bundesregierung noch im Jahre 2018 die Auffassung vertreten hatte, das verwaltungsrechtliche Rehabilitierungsgesetz VwRehaG scheide grundsätzlich als Anspruchsgrundlage für Entschädigungsleistungen an Dopingopfer der DDR aus, berücksichtigt nunmehr die neue Ausarbeitung vom 26.04.2022 die Grundsatzentscheidung des Verwaltungsgerichtes Greifswald, nach der sehr wohl Zwangsdoping eine Willkür im Einzelfall darstellt und deshalb die Entschädigungsansprüche der verwaltungsrechtlichen Rehabilitierung für die Dopingopfer eröffnet sind.

Wir hoffen, dass sich nunmehr alle Bundesländer dieser Rechtsauffassung anschließen und die antragstellenden Dopingopfer zügig mit entsprechenden, auch Rentenansprüchen, verwaltungsrechtlich rehabilitiert werden.

Der Bundesbeauftragten der Opfer der SED-Diktatur, Frau Evelyn Zupke sei nochmals für ihren auch in diesem Zusammenhang besonderen Einsatz für die Dopingopfer gedankt.

Austausch mit den anderen Opferverbänden

Am 25. / 26. Juni 2022 hat die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) zum Verbändetreffen eingeladen.

Neben der Begrüßung durch den Vorsitzenden Dieter Dombrowski haben uns besonders die Grußworte von Alexandra Titze (Vizepräsidentin im Bundesarchiv) und der SED-Opferbeauftragten Evelyn Zupke gefreut, die ihren Jahresbericht feierlich dem Vorsitzenden überreichte.

Wir hatten die Gelegenheit über unsere Aktivitäten der letzten Monate zu berichten und uns mit den anderen Opferverbänden über ihre Arbeit auszutauschen.
Wir erwarten in diesem Jahr noch weitere Treffen und Projekte, die wir zusammen mit der UOKG veranstalten wollen. 

Tietze