
Eva-Maria Aey
10. Verbändetreffen mit dem Ministerpräsidenten Brandenburg in der Staatskanzlei Potsdam
Am 22.06.2026 fand im Brandenburg-Saal der Potsdamer Staatskanzlei das diesjährige
10. Treffen mit der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur statt.
Das Verbändetreffen fand unter der Leitung des Brandenburger Ministerpräsidenten Dr. Dietmar Woidke, Fr. Dr. Maria Nooke und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der brandenburgischen Landesverwaltung statt.
Zu diesem Treffen war auch der Doping-Opfer Hilfe eV (DOH) zum Thema:
- Aufarbeitung der Diktaturgeschichte sowie Hilfeleistungen für Geschädigte / Umgang mit Betroffenen
eingeladen.
Zum Thema Hilfeleistungen für die geschädigten des Zwangsdopings der DDR wurde folgendes Anliegen vorgetragen:
Der DOH e.V. setzt sich weiter für konkrete Hilfeleistungen für die Geschädigten des Zwangsdopings der DDR ein. Gemeinsam mit der Bundesbeauftragten für die Opfer der SED-Diktatur, Evelyn Zupke, werben wir für ein „Dopingopfer-Unterstützungsgesetz“. Mit diesem Gesetz erhoffen wir uns den Zugang zu den Leistungen des sozialen Entschädigungsrechtes (analog zum Modell, das der Deutsche Bundestag im letzten Jahr für eine Reihe von Opfergruppen beschlossen hat). Dieses würde den Betroffenen konkret im Umgang mit ihren gesundheitlichen Leiden helfen. Auf bundespolitischer Ebene wurde hierbei jüngst ein Fortschritt erzielt, da die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt Christiane Schenderlein einen diesbezüglichen Referentenentwurf für 2026 in Aussicht gestellt hat (FAZ, 24.4.2026, Schenderleins Gesetzesinitiative für Dopingopfer). Der DOH e.V. begrüßt eine zeitnahe Regelung, da zahlreichen Betroffenen nicht mehr viel Zeit für eine Verbesserung ihrer Lebenssituation bleibt. Der DOH e.V. bittet deshalb die Landesregierung von Brandenburg, dieses Anliegen ebenfalls zu unterstützen.
Als Fazit wurde durch alle Anwesenden und insbesondere durch den Ministerpräsident Dr. Woidke die dringende Notwendigkeit einer Gesetzesregelung bekräftigt und persönliche Unterstützung bei der anstehenden Gesetzesregelung zugesichert.

Sylvia Kasten
Verbändetreffen der UOKG am 20. und 21.06.2026
Am 20. und 21.06.2026 ist der Vorstand des DOH e.V. der Einladung der UOKG zum Verbändetreffen gefolgt.
Gastgeber für das Verbändetreffen war die Robert Havemann Gesellschaft (RHG), die an diesem Wochenende in ihre neuen Räumlichkeiten in der Klosterstraße 66 in Berlin zur feierlichen Eröffnung einlud.
Nachdem der Vorsitzende der UOKG, Dieter Dombrowski, die Teilnehmer begrüßt hatte und damit das Treffen eröffnete, sprach die SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag, Evelyn Zupke. Sie gab insgesamt einen Überblick über Ihre Arbeit und nahm auch in diesem Rahmen Bezug auf den von der Staatsministerin für Ehrenamt und Sport Frau Schenderlein angekündigten Referentenentwurf, der das Dopingopferunterstützungsgesetz auf den Weg bringen soll. Es war ihr wichtig, nochmals zu betonen, dass es für die Dopingopfer nicht mehr ausschlaggebend ist, die Kausalität von Doping und Erkrankung bzw. den Langzeitfolgen der Dopinggaben nachweisen zu müssen.
Abschließend wies Frau Zupke auf den geplanten Festakt zum 35-jährigen Bestehen der UOKG am 09.10.2026 im Deutschen Bundestag hin.
Darüber hinaus gab es im Laufe der 2-tägigen Veranstaltung und bei den Berichten aus den einzelnen Vereinen und Gruppen Nachfragen zum DOH e. V., die die Möglichkeit boten, die derzeitig unbefriedigende Situation unserer Betroffenen noch einmal deutlich darzustellen.
Neben der Neuaufnahme von 3 weiteren UOKG-Mitgliedern:
- Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager Gießen
- Zeitzeugenatelier / An der Schmerzgrenze
- Niedersächsisches Netzwerk der SED- und Stasiopfer
fand insgesamt eine rege Diskussion zum 23.08.2026 statt, der als Europäischer Gedenktag für die Opfer aller totalitären und autoritären Regime festgelegt wurde.
Am Nachmittag des ersten Tages fand dann ab 17:00 Uhr die Festveranstaltung der RHG mit Empfang statt.

Sylvia Kasten
29. Bundeskongress zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Chemnitz
Ariane Speckhahn und ich nahmen als Vorstandsmitglieder des DOH e.V. vom 24. – 26.04.2026 am 29. Bundeskongress zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Chemnitz teil.
Der jährliche Bundeskongress ist ein wichtiges Forum für den Austausch zwischen Betroffenen und den Vertretern und Vertreterinnen der Verbände und Institutionen.
Die Veranstaltung wird jedes Jahr von einem der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED‑Diktatur und der Folgen der kommunistischen Diktatur ausgerichtet. So waren wir in diesem Jahr in Chemnitz zu Gast.
Das diesjährige Thema: „Orte bleiben, Gedenkstätten und die Zukunft des Erinnerns“ führte die Kongressteilnehmer zur Besichtigung des neu gestalteten ehemaligen Kaßberg-Gefängnisses (der ehemalige zentrale Ort des Häftlingsfreikaufs) und zur Gedenkstätte Hoheneck in Stollberg / Sachsen (zum ehemaligen berüchtigten Frauengefängnis). Beide Erinnerungsorte sind kürzlich neugestaltet worden und es dauert nicht lange, dass man bestürzt und erschüttert ist, was politische Systeme, ihre Helfer und Helferinnen Menschen antun können. In beeindruckender Weise wird an beiden Gedenkorten an die Haft-Umstände der ehemaligen Gefangenen erinnert.
Auf dem Kongress sprachen der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer, der Landtagspräsident Alexander Dierks, der Oberbürgermeister von Chemnitz Sven Schulze und die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke.
Die einzelnen Verbände nutzten auch in kurzen Redebeiträgen die Gelegenheit, den Stand ihrer Arbeit und Initiativen vorzustellen und viele der Verbände konnten dabei über Erfolge für ihre Betroffenen berichten. Es gab Debatten über die SED- Unrechtsbereinigungsgesetze, es wurden die Opferverbände gewürdigt und es wurde auf die Situation wenig beachteter Opfergruppen hingewiesen.
Für uns als Vertreter des Doping-Opfer-Hilfe e.V. war es eine willkommene Gelegenheit, sich mit den Vertretern der Verbände und Institutionen auszutauschen. In einem kurzen Redebeitrag wiesen wir eindringlich auf die Situation unserer Betroffenen hin. Gleichzeitig bedankten wir uns bei der SED-Opferbeauftragten Evelyn Zupke für ihr unermüdliches Engagement für unseren Verein. Wir wiesen noch einmal auf die Dringlichkeit einer baldigen und schnellen Lösung für unsere Betroffenen hin.
Deshalb hat es uns sehr gefreut, als Frau Zupke beim gemeinsamen Abendessen mit dem Ministerpräsidenten des Landes Sachsen, Michael Kretschmer, an unseren Tisch kam und er uns persönlich seine Unterstützung in der Sache zusagte.

Sylvia Kasten
Verbändetreffen der Brandenburger Opfervereine und Aufarbeitungsinitiativen im Landtag Brandenburg
Auf Einladung der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Frau Dr. Maria Nooke, nahmen am 17.04.2026 2 Vertreterinnen unseres Vereins am Treffen der Opferverbände des Landes Brandenburg teil.
Für uns als Doping-Opfer-Hilfe e.V. eine weitere gute Möglichkeit unsere Arbeit im Sinne der Betroffenen darzustellen.
Ebenso informierten wir über den aktuellen Sachstand in Bezug auf die dringend erwartete politische Regelung zur besseren Unterstützung der Opfer des systematischen Zwangsdopings in der ehemaligen DDR“.
Auch wiesen wir auf unsere nächste Veranstaltung hin, die in Kooperation mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am 23.04.2026 zum Thema
„Doping in der DDR: Zwang, Kontrolle und ihre Folgen“
in der Kronenstraße stattfindet.
Frau Dr. Nooke bedankte sich und sicherte ihre Teilnahme an der Veranstaltung zu.

Silvia Oberhack
Treffen des Arbeitskreises II Berlin-Brandenburgischer Gedenkstätten und Aufarbeitungsinitiativen (AK II beim Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)
Im Rahmen des halbjährlichen Austausches zu Themen der Aufarbeitung der SED-Diktatur tagte am 18.11.2025 der Berlin-Brandenburgische Arbeitskreis II der Gedenkstätten und Aufarbeitungsinitiativen im Landesarchiv Berlin.
Der Leiter des Archivs, Herr Kriese, begrüßte die Teilnehmer des Arbeitskreises.
Herr Baganz und Frau Schwietzer gaben einen Überblick über die im Landesarchiv Berlin archivierten Unterlagen und deren Nutzbarkeit. Besonders gingen sie auf die relevanten Bestände aus Ost- und West-Berlin, deren Nutzbarkeit in der jetzt vereinigten Stadt ein. Sehr aufschlussreich für uns und alle Teilnehmenden, die die Unterlagen für die Arbeit ihrer Einrichtung regelmäßig für Projekte, Ausstellungen usw. benutzen.
Anschließend gab Herr Dr. Michael Bienert, Stiftung Ernst-Reuter-Archiv am Landesarchiv Berlin, einen Überblick über die Tätigkeit der Stiftung unter dem Aspekt „Forschen – Vernetzen – Vermitteln“.
Eine Führung durch ausgewählte Magazinräume war sehr interessant, zumal wir uns den Magazinraum, wo u.a. die Unterlagen der ZERV, die nach der Wende unter anderem auch zum Strafbestand - Doping in der DDR und deren Strafbarkeit - ermittelte, aufbewahrt werden, ansehen konnten.
Hinweis: Der Zugang, für Betroffene des Zwangsdopings in der DDR, zu den Unterlagen im Landesarchiv Berlin ist auf der Webseite des DOH e.V. beschrieben. https://no-doping.org/recherchen-zu-akten
Der anschließende Austausch über einzelne Projekte und Unterstützungsmöglichkeiten war sehr rege, insbesondere zur stattgefundenen „Freedom Week“ in Berlin.
Zum Abschluss wurden noch einige anstehende Projekte vorgestellt:
Bundesarchiv: „Töne der Repression“, Audioaufnahmen aus Verhören und Gerichtsverhandlungen
UOKG Gedenk- und Erinnerungstafel für Heimkinder in Dömitz
Silvia Oberhack

der Vorstand
Open-Air-Kino am Campus der Demokratie mit Beteiligung des Doping-Opfer-Hilfe e.V.
Über 1000 Gäste sind am Dienstag, dem 19.08.2025, dem Angebot des Bundesarchivs auf dem Campus der Demokratie in Lichtenberg gefolgt. Gezeigt wurde der Film
„1. FC Stasi“
- eine Dokumentation über die Manipulationen und Eingriffe der Stasi in den Fußball.
Auf dem Podium sprach für den Doping-Opfer-Hilfe e.V. Frau Ariane Speckhahn, Mitglied des Vorstandes.
Das staatlich verordnete Doping, mit all seinen Langzeitfolgen, war wie in jeder erfolgreichen Sportart in der DDR, auch im Fußball ein Thema!
Auch in diesem Jahr war diese Veranstaltung ein gelungener Abend und für unseren Verein eine gute Möglichkeit sich zu präsentieren.
Unser besonderer Dank gilt dem Bundesarchiv für die tolle Organisation - gerne wieder!

Silvia Oberhack
Doping im Radsport
Bei der Auswertung der Akten aus dem Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS) Leipzig waren die Untersuchungen und Experimente im Radsport auffällig.
Ab Mitte der 70er Jahre wurde zum Radsport ein Programm zur Erforschung der biologischen Grundlagen und Ausbau der Trainingsmethodik initiiert. Der Einsatz von Medikamenten, auch nicht zugelassene Mittel, und technischen Hilfsmitteln stand dabei im Mittelpunkt. (siehe Ausführungen unter Archivrecherchen / Fundstücke)
Hier gehts direkt zum diesem Fundstück aus unseren Archivrecherchen

Ariane Speckhahn
Vincent Bergmann aus Erfurt - Schülerarbeit zum Thema Doping im Leistungssport
Jedes Jahr melden sich mehrere Schüler bei uns im Verein, weil sie eine schulische oder auch studentische Arbeit zu unserem Thema schreiben. Im April kam Gymnasiast Vincent Bergmann aus Erfurt zu uns in die Beratungsstelle. Ich hatte ihm im Vorfeld schon eine der bei uns vorhandenen Broschüren zugeschickt und ihn gebeten, sich auch auf der Webseite zu informieren. Er hatte sich richtig gut vorbereitet und es entstand ein auch für mich sehr interessanter Austausch. Für uns sind Termine mit Schülern, Studenten und auch Schulklassen seit einigen Jahren fester Bestandteil unserer Vereinsarbeit.

Silvia Oberhack
Ausgewählte Dopingsubstanzen „Fundstücke“-Teil 2
In - Fundstücke „Ausgewählte Dopingsubstanzen -Teil 2“ - werden, wie angekündigt, einzelne Substanzen und deren Wirkung näher betrachtet.
Was konnten die verschiedenen Substanzen im Körper der Sportler auslösen?
Die folgende Aufzählung ist zwar aus zahlreichen Veröffentlichungen und Akten zusammengetragen, jedoch nicht vollständig.
Dermatologische und anatomische Nebenwirkungen (nicht vollständig)
- Akne verschiedener Schweregrade, spez. auch am Körperstamm und als Acne conglobata und Acne fulminans z. T. mit schweren klinischen Folgen („Steroid-Akne“)
- Follikulitis, Furunkulosen Leber
- Anomalitäten der Leberfunktion (u. a. erhöhte Serum-Transaminasen Werte)
- Bildung von histologischen Anomalien der Leber bis zu Blutzysten (Peliosis hepatis)
- Bildung von Androgen-abhängigen Hepatomen (Adenomen) und Risse derselben
- Hepatozelluläre Karzinome (selten)
- starke Erniedrigung der HDL-Bildung
- Muskelverspannungen (Hartspann, Krämpfe)
- Blutdruckerhöhung
- erhöhtes Risiko für Hirnblutungen
- Arteriosklerose, spez. der Herzkranzgefäße
- schädliche Gewebeveränderungen am Herzen, erhöhtes Risiko von Herzschäden und -infarkten
- erhöhte Aggressivität, aggressive Psychosen
- psychische wie physische Abhängigkeitszeichen
Innere Organe
Männer-Spezifische Veränderungen
- Hodenatrophi
- Störungen der Samenbildung bis zur völligen Einstellung
- Hodenschmerzen
- Prostata-Wucherungen (Hypertrophie)
- Gynäkomastie (Vergrößerung der Brust zu weiblichem Profil)
Frauen-Spezifische Veränderungen
- Hirsutismus (Damen-Schnurrbart bzw. -Wangenbart, männliche Behaarungsmuster am Körperstamm)
- Alopezie, speziell in männlichen Mustern („Geheimratsecken“, Haarausdünnung des Skalps)
- Striae distensae (streifig auftretende Bindegewebsschäden am Körperstamm)
Innere Organe
- Erniedrigung der Bildung des SHBG („Sex Steroid Hormone Binding Globulin“) in der Leber, dadurch Anstieg des freien Testosterons, dadurch erhöhte Virilisierung
- Reduktion der Brustdrüse
- Quakig-knörige Stimmvertiefung
- Starke Veränderungen der Menstruation bis zu langanhaltender Amenorrhoe
- Klitorisvergrößerung
- Atrophie der Gebärmutter (Uterus)
- Starke Veränderungen des Eierstocks, besonders das Polyzystische Ovar-
Syndrom - Eierstock-Entzündungen
- Abnahme der Schilddrüsenhormone (Thyroxin und „Thyroxin Binding Protein“)
Hier gehts direkt zum diesem Fundstück aus unseren Archivrecherchen

Silvia Oberhack
Der Staatsplan 14.25 - 16 Jahre zentralisiertes Doping in der DDR -
Bevor wir die Reihe „Dopingsubstanzen und deren Wirkung“ in der Rubrik Fundstücke fortsetzen, soll die Entwicklung des Dopingsystems in der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung, deren Organisation und die beteiligten staatlichen Stellen etwas näher betrachtet werden.
Bereits vor dem Staatsplan 14.25 gab es eine weitreichende Dopingpraxis. Diese vollzog sich in unterschiedlichen Phasen. Während des ersten, als präanabole Phase bezeichneten, Zeitabschnitts wurde vor allem von Aufputschmitteln wie Amphetaminen Gebrauch gemacht. Diese hatten den Vorteil der guten Zugänglichkeit und schnellen Wirksamkeit. Sie wiesen jedoch großes Suchtpotenzial auf.
Ab 1964 ist von einer vorerst dezentralen „anabolen Phase“ die Rede, in der das Hormondoping immer mehr praktiziert wurde und nach und nach Testosteron in reiner Form und dessen Derivate den Dopingalltag in der DDR prägte. Diese Menschenversuche fanden zuerst für Sportler in den Dynamo-Clubs statt, danach im ganzen Land. Spätestens ab 1968 hatte sich der Gebrauch anabol-androgener Substanzen im ganzen Hochleistungsbereich des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) durchgesetzt.
Grund für den Staatsplan 14.25 war der zunehmende Verlust der Kontrolle des SED-Staats über die Dopingvorgänge. Da ab 1974 verbesserte Dopingkontrollen bei internationalen Wettkämpfen erfolgten, die auch Anabolika nachweisen konnten, befürchtete die Sportführung, das durch den Leistungssport gewonnene internationale Ansehen der DDR könnte durch Dopingfälle von DDR-Sportlern beschädigt werden.
Was dann in den folgenden 16 Jahren des staatlich organisierten Dopings passierte, wird in unseren Fundstücken weiter dokumentiert.

Silvia Oberhack
Ausgewählte Dopingsubstanzen „Fundstücke“
In diesem Fundstück wird eine Auswahl von eingesetzten Dopingmitteln und deren Anwendung in den bevorzugten Sportarten aufgezeigt und wenn möglich beschrieben.
Es wird ausdrücklich auf die in den Archiven und Fachbüchern gefundenen Unterlagen Bezug genommen. Zeitzeugenberichte finden hier keinen Eingang.
Aus den Gruppen der Dopingsubstanzen werden wir in der Folgezeit jeweils ein Mittel auf unserer Webseite, in der Rubrik Archivrecherchen, Fundstücke, näher beschreiben.
Dabei darf man den Fakt der Leistungsstimulierung mit scheinbar harmlosen Mitteln, wie z.B. Schmerzmitteln, in den Akten aufgeführte „Entmüdungstrünke“ usw. nicht unbeachtet lassen. Dazu gehören beispielhaft solche Präparate wie Dynvital, Ascoffin, Ascorvit, Athletovit …
Eine grobe Übersicht der eingesetzten Mittel (nicht vollständig):
Androgene Steroide (Anabolika)
a) Oral zu nehmende Präparate
Oral-Turinabol (OT, O-T, M1)
Substanz XII (S XII, U2)
Steroidsubstanz 482 (STS 482)
Steroidsubstanz 648 (STS 648)
Mestanolon (STS 646, M2)
Methandienon (Dianabol)
Mesterolon (Vistimon)
Turinabol (Nandrolonphenylpropionat)
Turinabol-Depot (Nandrolondecanoat)
b) zu injizierende Präparate
Testosteronpropionat (TP)
Testosteron-Enantat (TD)
Testo-Tropin-Ampullen (TT + hCG)
Turinabol-Depot (Deca-Durabolin)
c) Oral oder injizierbar oder als Nasenspray
Androstendion (AD)
Dehydroepiandrosteron (DHEA)
d) Die Testosteronproduktion stimulierende Substanzen
Gonabion (hCG)
Clomiphen
Neuropeptide (Regulatorische Peptide)
Lysin-Vasopressin (LVP)
Oxytocin (OXT, B17)
Substanz P (SP)
Neurotropika, Psychotropika, Nootropika
ACTH Piracetam Nicergolin Nivalin
Diverse Endorphine

Silvia Oberhack
Dopingsubstanzen „Fundstücke“
Es ist ein Irrglaube anzunehmen, dass das Dopen der Sportler in der DDR erst im Jahr 1974 mit dem Staatsplan 14.25, Komplex 08 gestartet wurde.
Mit Gründung der beiden deutschen Staaten bestand für die Partei- und Staatsführung die Notwendigkeit zu beweisen,
die DDR ist der bessere deutsche Staat, wir können es besser.
Und insofern wundert es nicht, wie von Beginn an sich die Partei- und Staatsführung der DDR der Förderung der Forschung von Dopingmitteln zuwandte und unterstützte. Wenn der Sport „zusätzliche Leistungsreserven“ erschließen sollte, wurde alles in Wirtschaft und Politik in Bewegung gesetzt.
Partei und Politbüro beschlossen bereits ab 1954 Richtlinien, um den Leistungssport zu fördern. Die konkretesten Festlegungen stammen aus dem Jahr 1969. Alle Sportarten wurden in die Rubriken Sport I und Sport II eingeteilt. Zu der Rubrik Sport I gehörte u. a. Schwimmen, Radsport, Eiskunstlauf und diese wurden mit ausreichenden Mitteln ausgestattet, weil diese Sportarten vermeintlich mit geringerem Aufwand Medaillen für die DDR versprachen.
Im Sport kamen in der frühen Phase (1967-1972) bereits androgene Steroide in den o. g. Disziplinen Dopingsubstanzen, wie z.B. Oral-Turinabol zum Einsatz.
Ab 1974, mit dem Staatsplan 14.25 wurde die konsequente und zentralisierte Erforschung und der Einsatz von Dopingmitteln festgelegt. Es ging um die Leistungssteigerung im Sport und besonders durch die Forschung „zusätzliche Leistungsreserven“ zu erschließen. In den noch erhaltenen Unterlagen u. a. des Universitätsarchivs Leipzig, dem Bundesarchiv (Miltärarchiv und Stasiunterlagenarchiv), dem Wirtschaftsarchiv Leipzig e.V. sind Dokumente der Forschung an Sportlern auch mit nicht zugelassenen Substanzen zu finden.
Fundstücke aus noch bestehenden Akten:
Das Hormon-Doping von Minderjährigen u. a. im Schwimmsport, Kanusport und Geräteturnen lässt sich an den Forschungsarbeiten, Dissertationen, Tagungsberichten der Sportmediziner nachlesen. So wurde bspw. der Nationalmannschaft im Geräteturnen der Männer und Frauen einschließlich des Olympiakaders 1980 ein nicht zugelassenes starkes Androgen (STS 646) verabreicht. Es gibt Berichte, dass 8 -13jährigen Dopingmittel sowohl an Trainingszentren, als auch der KJS verabreicht worden sind (staatsanwaltschaftliche Ermittlungen deckten dies auf). Mit den Dopingsubstanzen, insbesondere mit nicht zugelassenen Mitteln, wurde massiv in die Körperentwicklung und Regulation des Körpers eingegriffen. Leberschäden, Nierenschäden, Einfluss auf das Zentrale Nervensystem, das komplette Stoffwechselsystem, die fehlerhafte körperliche Entwicklung, Probleme mit der Wirbelsäule, wurden billigend für Medaillen und die Erfüllung des Leistungsauftrags in Kauf genommen.
Die Ärzte, Forscher und Funktionäre wussten was die Dopingmittel anrichten konnten, legten aber den Fokus auf die Entwicklung von Methoden, um nicht als Dopingsünder erwischt zu werden. Unter der Rubrik Fundstücke „Doping mit Kaugummi und Neuropeptiden“ werden weitere Beispiele näher betrachtet.
Es sind die ehemaligen Sportler, die mit ihrer Gesundheit „bezahlen“. Die, die zum Teil sogar nicht zugelassene Medikamente den Sportlern verabreichten oder dies in den Verbänden forderten, jedenfalls nicht.
Wie sieht es nun im Jahr 2024 mit den Betroffenen aus? Die Gruppe der von Dopinggaben Betroffenen kämpft nach wie vor um die Zugehörigkeit zu der Opfergruppe der SED-Diktatur und der damit verbundenen verwaltungsrechtlichen Rehabilitierung.
Das System Doping in der ehemaligen DDR gehört aufgearbeitet. Juristisch ist dies gescheitert, darum sollte jetzt die Politik die Betroffenen nicht im Stich lassen.
Hier gehts direkt zum diesem Fundstück aus unseren Archivrecherchen
Luise Herold
Selbsthilfegruppe am 16. April 2024
Nach nun längerer Pausenzeit fand gestern bei uns, in Berlin, die erste Selbsthilfegruppe statt.
Für mich war dies eine ganz neue Erfahrung und ich freute mich sehr auf den Nachmittag. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der teilnehmenden Betroffenen ergab sich für mich, als neue Sozialarbeiterin des DOH e.V., die Möglichkeit, mich kurz vorzustellen.
Unterstützend für den Themen-Nachmittag luden wir Frau Dr. Anke Delow ein. Sie betreut als Mentalcouch aktive Sportler und Sportlerinnen und konnte uns einen Einblick in ihr Buch "Leistungssport und Biografie" geben.
Die Gruppe kam mit ihr schnell ins Gespräch.
Es war für alle Beteiligten ein sehr emotionaler und rührender Abend, wobei mich die Offenheit und Tiefe der Gespräche berührte, was ich so schnell nicht vergessen werde.
Das Feedback am Ende des Abends war rundum positiv und ich freue mich, auf unser baldiges nächstes Treffen.
Luise Herold
Sozialarbeiterin

Ariane Speckhahn
Arbeitstreffen mit dem Bundesministerium des Innern am 22. Februar 2024
Unser Vorstand wurde seitens des BMI zum ersten Arbeitstreffen in diesem Jahr eingeladen. Hauptpunkte waren die Berichterstattung zum Projektjahr 2023, wo wir durch Schilderungen der Notwendigkeit unserer Arbeit anhand von Beispielen und Zahlen unsere wichtige Arbeit für die Betroffenen bekräftigen konnten.
Allein die Erstkontakte und die Vielzahl von Beratungsgesprächen unterstrichen die Notwendigkeit auch in den kommenden Jahren unsere Arbeit fortzuführen und auf die Unterstützung durch das BMI zu bauen.
Im Anschluss wurden die Fragen und Anmerkungen zum von uns eingereichten Projektantrag 2024, dem nun vom BMI zugestimmt werden muss, erläutert. Wir hoffen, dass wir den positiven Bescheid Anfang März erhalten.
Herr Greib, im BMI zuständig für unsere Arbeit, dankte uns für unsere geleistete Arbeit und sicherte uns, trotz der finanziellen Lage im Land, weitere finanzielle Unterstützung durch das BMI zu, was uns in unserer Arbeit für die Betroffenen eine Sicherheit gibt.



